Hermann Nitsch: "Ich hasse das Wort Genie!"

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Ende nächster Woche wird der Maler, Grafiker, Aktionist, Komponist und Winzer Hermann Nitsch 83 Jahre alt. Ans Kürzertreten denkt Nitsch aber nicht. 

Wer rastet, der rostet. Bei Hermann Nitsch besteht dafür aber keine Gefahr. Gerade ist Nitsch von den Festspielen Bayreuth zurückgekehrt, bei denen er für die semiszenische Umsetzung von Wagners "Walküre" verantwortlich war. Die Vorstellungen begannen mit einer weißen Bühne und endete in einem von Nitsch choreografierten Farbenrausch. Die hier entstanden Werke werden den Kern seiner neuen Ausstellung "Bayreuth Walküre" bilden, die ab Oktober im Nitsch Museum in Mistelbach zu sehen sein werden.  "Wir werden versuchen am 9. Oktober, wenn die Ausstellung eröffnet, einen ganzen Tag in Bayreuth darzustellen mit Werken und mit Relikten der Malaktion."

Enrico Nawrath / dpa / picturedesk.com

Zur Zeit sieht sich der 1938 geborene Künstler die Filmaufnahmen der Aktion an und gibt zu, beim Betrachten noch jede Menge über sich selbst und seine Kunst dazuzulernen. Für den von vielen Fans als Universalgenie gefeierte Nitsch ist das Lernen ein ständiger Prozess. " Ich hasse das Wort Genie! Das Leben ist Lernen und Lernen ist Entwicklung. Jede Sekunde kann man lernen, dafür ist man nie zu alt."

"Mein Werk ist insgesamt lebensbejahend"

Aktuell ist im Nitsch Museum in Mistelbach noch seine aktuelle Ausstellung "Neue Arbeiten" zu sehen, deren Inhalt zwischen 2019 und 2020 entstanden ist, und den oft als düster bezeichneten Meister von einer ungewohnt fröhlichen Seite zeigt. "Ich stehe diesen Bildern sehr positiv gegenüber. Ich habe mich für diese Werke sehr mit Farben auseinandergesetzt, konkret mit blühenden Blumenfarben. Ich habe mich bemüht einen Farbenrausch darzubieten. Ich würde ja sagen, dass mein Werk insgesamt lebensbejahend, auch wenn es dann tief ins tragische reicht..." 

Nächste Woche stehen gleich zwei wichtige Termine im Leben von Hermann Nitsch an: Am 28.9. wird in seinem Museum seine "Weinviertel-Sinfonie" uraufgeführt, am Tag darauf hat er seinen 83. Geburtstag. "Der ist mir eher lästig. Ich mag Geburtstagsfeiern nicht. Mann wird doch jeden Tag neu geboren, künstliche Feste liegen aber nicht in meinem "Sympathienbereich". Ich brauche meinen Geburtstag nicht, freue mich aber auf die Aufführung der Sinfonie am Tag davor."

Bei der Weinviertel-Sinfonie handelte es sich ursprünglich um ein Streichquartett, das vom Komponisten Michael Mautner zu einer Sinfonie ausgeweitet wurde. "Das Original habe ich bereits bei einem Termin in der Albertina gehört, aber die Ausweitung werde ich bei den Proben zum ersten Mal Hören.“ 

Zur neuen Sinfonie gibt es den eigenen Wein

Bei der Aufführung am 28.9., bei der Mitglieder des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien spielen werden, wird es im Nitsch Museum wieder auch den fast schon legendären eigenen Weißwein des Künstlers zu trinken geben, den der Künstler im eigenen Weingarten anbauen lässt. "Der wird wohl heuer sehr gut werden, ich habe bisher immer Glück gehabt und in meinem Weingarten noch nie eine Missernte erlebt. Es werden heuer auch so wieder um die 2000 Liter werden.“ 

Und auch über die neue Sinfonie und die neue Ausstellung hinaus ist Hermann Nitsch voller Tatendrang. So möchte er im Juni 2022 wieder seine 6-Tagesspiele, das "Orgien Mysterien Theater" in Prinzendorf umsetzen. „Es hat ja nicht nur Corona das Sechstagespiel verhindert, es gab auch andere organisatorische und finanzielle Schwierigkeiten", meint Nitsch, "ich hoffe jetzt aber echt darauf, dass wir es im nächsten Jahr realisieren können.“

Mehr Infos zur neuen Sinfonie und zur neuen Ausstellung gibt es hier!

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