Die Stellungnahme der UNESCO habe es nun schwarz auf weiß belegt, was seit Jahren von Gegnern des Neubau-Projekts befürchtet wurde: "Die vernichtende Stellungnahme der UNESCO zeigt, dass das neue Heumarktprojekt nach wie vor das Weltkulturerbe stört. Dieses Hin und Her erinnert an ein Kasperltheater und ist nicht länger hinnehmbar“, so ÖVP-Planungssprecherin und Gemeinderätin Elisabeth Olischar am Dienstag.
Der Weltkulturerbe-Status von Wien sei in Gefahr, wenn dieser Bau am Heumarkt (Wien-Landstraße) wirklich hochgezogen wird. Das sei es nicht wert, findet Elisabeth Olischar. Seit sechs Jahren stehe Wien schon auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten und die jüngste Überarbeitung für den Neubau habe die bedrohliche Situation in keiner Weise entschärft. Auch der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt Markus Figl (ÖVP) äußerte sein Unbehagen zur Bebauung:
"Wien droht weiterhin die Aberkennung des UNESCO Weltkulturerbe-Status. Das ist die deutliche Botschaft des offiziellen Entscheidungsentwurfes für die 45. Sitzung des Welterbekomitees in Riad im September. Nach jahrelangem Drängen der Inneren Stadt ist nun eingetreten, was durch konsequentes Handeln der Wiener Stadtregierung vermeidbar gewesen wäre, um von der Roten Liste runter zu kommen."
Es gebe bis 1. Feber 2024 eine Chance für die Stadt Wien nachzufassen, um alle erforderlichen Maßnahmen für den Erhalt des Schutzes des Weltkulturerbe-Status für kommende Generationen umzusetzen. "Ich erwarte mir, dass die Stadt Wien dieses Thema nicht auf die leichte Schulter nimmt und nicht mehr fahrlässig mit dem Schutz des Weltkulturerbe-Status umgeht“, so Markus Figl (ÖVP), Bezirksvorsteher Innere Stadt.
Konkret geht es um den nun veröffentlichten offiziellen Entscheidungsentwurf ("draft decision") für die in vierzig Tagen beginnende 45. Sitzung des Welterbe-Komitees in Riad (Königreich Saudiarabien) vom 10. bis 25. September. Auf Initiative der Stadt Wien und der zuständigen Ministerien hatte der Betreiber Wertinvest das Heumarkt-Projekt zuletzt erneut überarbeitet. Mit dem neu adaptierten Projekt basierend auf dem Siegerentwurf von Isay Weinfeld sei ein welterbeverträgliches Konzept "aus unserer Sicht gelungen", zeigte sich Daniela Enzi, Geschäftsführerin der Wertinvest Hotelbetriebs GmbH, damals siegesicher.
Anders sieht es die ÖVP: Ein Weltkulturerbe-konformer Entwurf liege leider bis heute nicht vor, kritisiert sie am Dienstag. Und weiter: "Das offenkundige Desinteresse von Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und die noble Zurückhaltung von Bürgermeister Ludwig (SPÖ) sowie die massiven Fehleinschätzungen von SPÖ-Gemeinderat Woller beschreiben das Totalversagen der Wiener SPÖ, wenn es um das Weltkulturerbe geht. Wird das Heumarktprojekt gebaut, war es das mit dem Weltkulturerbe, das macht nun auch die UNESCO deutlich“, so Elisabeth Olischar. Mehr zur jüngsten Überarbeitung des Konzepts kannst du hier lesen:
"Die "Alliance For Nature“ begrüßt den Entscheidungsentwurf (draft decision) des UNESCO-Welterbe-Zentrums für die Sitzung des UNESCO-Welterbe-Komitees, hatte sie doch immer wieder an die UNESCO appelliert, das "Historische Zentrum von Wien“ sowohl auf der allgemeinen Welterbe-Liste als auch auf der "Roten Liste gefährdeter Welterbestätten“ zu belassen, solange nicht eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das umstrittene Städtebauvorhaben Am Heumarkt durchgeführt wurde", so Christian Schuhböck, Generalsekretär der Alliance for Nature, am 1. August in einer Stellungnahme.
Ein Versprechen gibt es fix: Das 6.000-Quadratmeter-Areal des Wiener Eislaufvereins wird als winterliches Outdoor-Highlight mitten in Wien erhalten bleiben. Das Eislaufen ist für 100 Jahre gesichert. Im Sommer verwandelt sich das Areal mit mobilen Pflanzentrögen zur "Stadt-Oase", diese soll Heimat für verschiedene Event werden. Der Baustart soll 2026 erfolgen, 2,5 Jahre beträgt die veranschlagte Bauzeit. Das Hotel InterContinental Wien soll voraussichtlich bis Ende 2025 im Vollbetrieb offen bleiben, so der Plan.