Bereits fix ist die Verlegung des Champions-League-Endspiels, das am 28. Mai in der Gazprom-Arena von St. Petersburg stattfinden sollte. Das wichtigste Klubfußball-Spiel nach den Ereignissen der letzten Tage tatsächlich in der russischen Metropole abzuhalten, ist keine Alternative. Die Verlegung wird am Freitag beschlossen.
Dafür ist das UEFA-Exekutivkomitee zuständig, das in einer Dringlichkeitssitzung am Freitag in Nyon tagt. Da in diesem Fall höhere Gewalt gilt, braucht der europäische Fußballverband nicht die Zustimmung aller 55 Nationalverbände. Das 20-köpfige Exekutivkomitee kann also selbstständig entscheiden. Brisant dabei: Russland und die Ukraine haben jeweils einen Sitz im Gremium. Gazprom-Vorstandschef Alexander Djukov sowie Andri Pawelko, Präsident des ukrainischen Verbandes.
Ursprünglich sollten die Finals 2023 bis 2025 in Istanbul, London und München ausgetragen werden. Diese drei Städte gelten nun als aussichtsreiche Kandidaten für das Endspiel 2022. Über weitere Austragungsorte wird beraten.
Das "Königsklassen"-Endspiel ist jedoch nicht die einzige Partie, die verlegt werden soll. So steht etwa Ende März ein U21-EM-Qualifikationsspiel in der Ukraine gegen Frankreich an. Im Sommer sind vier Spieltage der Nations League geplant - mit Heimspielen für Russland und der Ukraine. Hauptstadt-Klub Spartak Moskau steht darüber hinaus im Achtelfinale der Europa League.
Die WM-Play-offs mit der Ukraine und Russland - die Ukraine wäre ein möglicher ÖFB-Gegner, sollte Wales im Halbfinale geschlagen werden - fallen in den Zuständigkeitsbereich der FIFA. Hier ist also nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.
Heftiger diskutiert wird wohl die Rolle des russischen Gasförderers Gazprom, einem der wichtigsten Geldgeber im europäischen Fußball. Seit 2012 ist der russische Staatskonzern Hauptsponsor der Champions League, erst 2021 wurde der millionenschwere Vertrag erneuert, beinhaltet nun auch sämtliche Nationalmannschaftsbewerbe bis 2024. Es würde also auch die Europameisterschaft 2024 in Deutschland betreffen. Dass Gazprom beim europäischen Fußballfest werben darf, kann sich wohl niemand vorstellen...