Gerhard Polt kehrt mit "Und Äktschn" als Schauspieler und Drehbuchautor auf die Leinwand zurück. Er spielt in der Kino-Satire den Amateurfilmer Hans Pospiech. HeuteKino sprach mit Regisseur Frederick Baker über den Streifen, Hitler und Humor. "Und Äktschn" kommt am 6. Februar in die österreichischen Kinos.
Gerhard Polt kehrt mit als Schauspieler und Drehbuchautor auf die Leinwand zurück. Er spielt in der Kino-Satire den Amateurfilmer Hans Pospiech. HeuteKino sprach mit Regisseur Frederick Baker über den Streifen, Hitler und Humor. "Und Äktschn!" kommt am 6. Februar in die österreichischen Kinos.
Im Streifen "Und Äktschn" will der Hobbyfilmer Pospiech seinen größten Konkurrenten, den Chef des örtlichen Amateurfilmclubs und gescheiterten Immobilienmakler, ausstechen. Zentraler Treffpunkt des Ortes ist die Dorfkneipe von Grete Neuriedl (Gisela Schneeberger). Nachdem der örtliche Bankdirektor einen Filmwettbewerb ausgerufen hat, hofft Pospiech auf den Durchbruch...
HeuteKino sprach mit Regisseur Frederick Baker:
"Heute": Herr Baker, in "Und Äktschn!" geht es um einen Provinzler, der einen Amateurfilm über Hitlers Privatleben drehen will. Ist der Titel auch als Aufforderung zu verstehen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen?
Frederick Baker: Ja, auf eine Art schon. Der Hans Pospiech, der von Gerhard Polt gespielt wird, ist jemand der nicht aufhört, das Filmen ist seine Obsession. Er filmt nicht nur über Hitler auch über andere Themen. Ihm geht’s nur um das Filmen, die Illusionswelt. Das ist schon besser als nichts zu machen. "Und Äktschn!" ist sein Lebenselixier. Pospiech ist aber an einem Ort, dem fiktiven Neufurt, wo nichts los ist. Es ist ein Aufbegehren, er will "Äktschn“ dort, wo nie etwas passiert.
"Heute“: In einem anderen Interview haben Sie gemeint, Hitler war Provinzler und ist es bis zuletzt geblieben. Finden Sie den Begriff Provinz allgemein als etwas sehr Abwertendes?
Baker: Ok, das ist eine sehr kluge Frage. Ich sage nicht, dass Provinz nicht vielfältig sein kann, aber es gibt schon eine gewisse Provinzialität, die ist ein Codewort für Enge. Der Gerhard (Polt, Anm.) ist ganz in der Nähe von Braunau aufgewachsen, deshalb sind diese Sachen im Film, z.B. wie Hitler die Eva Braun "Tschapperl" nennt, das ist ein Provinzwort aus Oberösterreich. Und die Beziehung zwischen ihnen war so, er hat sie versteckt, wie in einem Käfig. "Tschapperl" kommt vom tschechischen "kleiner Vogel", Eva Braun war die tragische Figur im Vogelkäfig.
Es sind viele Filme über Hitler gemacht worden, aber es waren immer die großen Reden, die großen Orte, die er für sich selbst geschaffen hat. Wir haben gesagt, wir wollen etwas anderes, Gerhards Blick kommt aus der Provinz. Hitler hat Berlin als Stadt nicht gemocht, Wien auch nicht, nur Linz hat er gemocht, das war seine Stadt. Wir wollten zeigen, da kommt er her, das hat uns interessiert, um einen neuen Hitler-Blick zu zeigen.
Das restliche Interview finden Sie auf der nächsten Seite...
"Heute": Wie Sie sagen, es sind schon viele Filme über Hitler gedreht worden. Läuft man da nicht Gefahr, dass das Thema einmal gewisse Abnutzungserscheinungen aufweist?
Baker: Es sind viele Filme über Liebe gemacht worden und auch das Thema ist noch da – ok, Hitler und Liebe sind nicht genau das Gleiche.
"Heute": Aber ist Hitler noch aktuell?
Baker: Hitler ist aktuell, leider. Weil es Leute gibt, die ewig gestrig sind. Und die Konsequenzen dessen was wir unter dem Namen Hitler nennen, diese Konsequenzen, damit leben wir. Gerhard hat die Gnade der späten Geburt, ich die Gnade der noch späteren Geburt, dennoch leben wir weiterhin damit. Jede Generation muss sich diese Thematik neu anschauen, aber mit den Mitteln, die zu ihr passen. Bis jetzt hat niemand den Innviertler Hitler gezeigt. Wobei unser Film nicht wirklich zu verorten ist, das geht natürlich auch bis Bayern.
"Heute": Sie haben mit Gerhard Polt gemeinsam das Drehbuch geschrieben. Wie war der Schreibprozess mit ihm?
Baker: Man muss eine große Schnittmenge haben an Humor, mein Humor ist eine Mischung aus britisch und österreichisch, Gerhard ist in München aufgewachsen. Ich hab ihn vor 20 Jahren gesehen und war sofort begeistert, weil er mir, obwohl er deutsch sprach, sehr britisch vorkam. Und da fanden wir eine Kommunikation, mit der wir arbeiten konnten. Die Dialoge sind hauptsächlich vom Gerhard, die Grundidee, die Struktur und die Bilder sind von mir. Wir haben uns super ergänzt und hatten eine Gaudi, wir finden immer neue Aspekte, die uns zum Lachen bringen. Mit Gerhard ist essen übrigens sehr wichtig. Beim Essen sind viele Ideen gekommen. Ein schlechtes Essen verdirbt den Humor, aber wir haben meist gutes Essen gehabt. Wenn Gerhard nach Wien kommt, gehen wir immer ins Irish Pub zum "Charlie P’s".
"Heute": Was macht die Komik Hitlers aus?
Baker: Hitlers Komik ist eine sehr traurige. Zu sehen, wie diese kleine Figur nach etwas greift, das viel zu groß ist. Bei manchen Menschen ist es lustig, wenn sie die Proportionen durcheinanderbringen, so wie ein Kind, das Erwachsenengewand anzieht. Das ist witzig. Aber das, was Hitler anziehen will, ist nicht witzig. Das ist traurig. Chaplin hat das erwischt. Wir haben Robert Meyer, der das als alter Mann super hinkriegt. Wir haben im Film ein Archivstück vom echten Hitler, um zu zeigen, wir übertreiben nicht, so war er wirklich. Es ist eine Wirtshausrede am Beginn der Nazibewegung, da sieht man jemanden, der groß schauspielert im kleinen Raum, was einfach nicht passt. Aber alle fanden es super. Das ist das Traurige und auch das Witzige.
"Heute": Im Zweiten Weltkrieg stand auf Hitlerwitze die Todesstrafe. Darf Humor heute alles oder gibt es noch Grenzen?
Baker: (denkt lange nach) Es kann immer Menschen geben, die zufällig über einen Witz oder einen Satz stolpern und ihn dann verletzend finden. Das kann man nicht vermeiden. Aber direkt Leute zu beleidigen und mit Humor weh zu tun, ist nicht witzig. Das ist eine Grenzüberschreitung, wie eine Faust ins Auge. Ich würde nicht wollen, dass mein Humor jemanden verletzt.
"Heute": Neben Gerhard Polt versammelt sich eine ebenso namhafte Besetzung. Wie hat sich die ergeben?
Baker: Wir haben alles selber gecastet. Wir wollten Leute, mit denen der Gerhard kann, mit denen der Schmäh läuft. Deshalb war es ganz wichtig, dass Gerhard sein Sanktus zu jeder Rolle gegeben hat. Manche hat er schon gekannt, aber er war auch offen genug, zu sagen, ich will frische Leute, mit denen ich noch nicht gespielt hab. Das waren Michael Ostrowski, Thomas Stipsits, Robert Palfrader und ganz groß Maximilian Brückner. Sie kannten Gerhard noch von früher aus dem Fernsehen und spielten plötzlich zusammen. Das war cool.
"Heute": Die Chemie stimmte also?
Baker: Ja, wir haben ein "Making of" gemacht, da sieht man, dass wir viel gelacht haben. Wir hatten wirklich a Gaudi.
"Heute": "Und Äktschn!" Ist ja ein Film übers Filmedrehen. Ist das automatisch auch eine Liebeserklärung an das Medium?
Baker: "Und Äktschn!“ Ist ein Film über Hans Pospiech und das Filmemachen. Es ist eine Liebeserklärung an die kleinen Leute wie Pospiech, die ihre Leidenschaften ausleben. Gerhard und ich lieben die Figur und seine Passion.
"Heute": Welche Reaktionen erhoffen Sie sich vom Publikum auf "Und Äktschn!“?
Baker: Ich hoffe, dass die Leute sich auf diese Welt einlassen. Es ist eine Satire, eine Groteske. Ich hoffe, dass die Leute dieser Welt einfach Zeit geben, sich zu entwickeln. Wir haben extra nicht auf die Pointe gespielt, mehr wie im richtigen Leben. Es ist ein bisschen wie ein Woody Allen-Film.
"Und Äktschn" kommt am 6. Februar in die österreichischen Kino.