Hier entscheiden die Mitarbeiter, wer gehen muss

Bei der Reisefirma Globetrotter sieht der Stellenabbau anders als in anderen Unternehmen aus (Symbolbild).
Bei der Reisefirma Globetrotter sieht der Stellenabbau anders als in anderen Unternehmen aus (Symbolbild).picturedesk.com
Bei Globetrotter steht ein Jobabbau an. Die Reisefirma lässt die Angestellten selbst wählen, welche Kollegen ihren Job behalten dürfen.

Filialschliessungen und Stellenabbau: Auch Globetrotter wird von der Coronavirus-Krise mitgerissen. CEO Dany Gehrig geht davon aus, dass der Umsatz des Reiseunternehmens dieses Jahr um 70 oder 80 Prozent einbrechen wird. Vier Geschäftsstellen werden geschlossen.

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Was den Stellenabbau angeht, hat sich Gehrig ein besonderes, soziokratisches System ausgedacht, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet. Statt dass der Chef selbst bestimmt, wer gehen muss, sollen Mitarbeiter an einer Art Wahlkampf teilnehmen.

Mitarbeiter müssen sich neu bewerben

Konkret mussten sich die Angestellten über eine sogenannte Nominationsliste auf verfügbare Jobs neu bewerben und dann in Wahlgesprächen gegenüber anderen Kandidaten und vor den Vorgesetzten argumentieren, warum sie für die Stelle geeignet wären. Am Schluss geben die Teilnehmer bekannt, wen sie für die Stelle bevorzugen würden. Moderiert wird das Ganze von Gehrig selbst.

Viele freiwillige Kündigungen

Einige Angestellte befremdet der Prozess, der noch bis Anfang September dauern soll, wie es im Bericht heißt. Gegen langjährige Kollegen anzutreten, falle vielen von ihnen schwer. Das habe zu vielen freiwilligen Kündigungen geführt – weil man nicht den anderen den Job wegnehmen wollte.

In den zwei Berner Filialen etwa habe es so viele Kündigungen gegeben, dass diejenigen, die den Job behalten wollten, allesamt bleiben konnten. Und das, obwohl die Filiale an der Aarbergergasse geschlossen wurde.

Gehrig sieht das positiv, denn so hätten sich die Mitarbeiter genau überlegt, ob sie den Job unbedingt wollten. Er glaubt, dass es eher die falschen getroffen hätte, wenn der CEO selbst bestimmt hätte, wer gehen muss.

Zudem hätte man dann dem Management vorwerfen können, dass die Mitarbeiter selbst nicht in die Entscheidung einbezogen worden seien. Dank dem soziokratischen System habe eine Filialleiterin in Brig mit guten Argumenten alle überzeugen können, dass ihre Filiale nicht geschlossen wird – obwohl die Geschäftsleitung laut Gehrig anders entschieden hätte.

System soll fairer sein

Das neue System war bei Globetrotter schon länger geplant, heißt es weiter. Gehrig hatte bereits Anfang Jahr der Geschäftsleitung vorgeschlagen, dass das Unternehmen künftig nicht mehr rein hierarchisch geführt werden soll. Das helfe, Entscheidungen nachvollziehbar und fair zu machen.

Laut dem CEO ist die Akzeptanz für das neue System wegen der Krise sogar eher grösser als zuvor. Eine abschliessende Bilanz könne er zwar noch nicht ziehen – Gehrig ist aber überzeugt, dass die Reorganisation den Zusammenhalt bei den 240 Mitarbeitern gestärkt habe.

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