Hildmanns Telegram-Kanal mit 100.000 Fans gesperrt

Lange konnte der Verschwörungstheoretiker ungehindert antisemitische und zur Gewalt aufrufende Aussagen über Telegram verbreiten. Das hat ein Ende.

Rund 100.000 Menschen folgten dem Telegram-Kanal des Verschwörungstheoretikers Attila Hildmann. Nun ist er allerdings nicht mehr aufrufbar. Grund dafür ist offenbar eine Sperrung, von welcher iPhones und die meisten Android-Smartphones betroffen sind. Urheber der Sperrung ist laut Mimikama.at aber nicht etwa Telegram selbst, viel eher sollen die Tech-Firmen Apple und Google dahinter stecken. Aus diesem Grund kann der Telegram-Kanal nach wie vor über Umwege aufgerufen werden.

Offiziell ist zwar nicht bestätigt, dass tatsächlich die Tech-Giganten hinter der Sperrung stecken, es wäre aber nicht das erste Mal, dass Apple eine solche Entscheidung über die Köpfe der App-Entwickler hinweg trifft. In der Vergangenheit kam es bereits zur Blockierung bestimmter Kanäle, in welchen sich Rechtsterroristen austauschten. Telegram ist dafür bekannt, die Inhalte, die über seine App geteilt werden, nur selten zu moderieren.

"Einen Mittelweg finden"

"Wenn man sich die geltenden Regeln für Apps in den App-Stores anschaut, dürfte Telegram eigentlich gar nicht mehr im App Store von Apple erhältlich sein", sagt Martin Steiger, Anwalt für Recht im Online-Raum. Denn fragwürdige Inhalte, die diskriminierend, rassistisch oder sexistisch seien, müssten den Regeln gemäß eigentlich gefiltert werden.

"Telegram erklärt aber offen, gegen solche Inhalte nichts zu unternehmen. Gleichzeitig ist es schwierig bis unmöglich, die Verantwortlichen von Telegram zu kontaktieren", so Steiger. "Wenn nun Apple und Google allenfalls Telegram gebeten haben, einen Kanal von Attila Hildmann zu sperren, handelt es sich vielleicht um den Versuch, einen Mittelweg zu gehen."

Laut dem Anwalt ist es theoretisch möglich, dass sich Hildmann gegen eine Sperrung von Apple und Google rechtlich wehrt. Eine Hoffnung auf Erfolg gebe es dabei aber kaum. "Verschwörungserzähler inszenieren sich immer wieder mit aussichtslosen Verfahren vor Gericht, häufig in den USA. Personen in der Schweiz, die von Sperrungen bei Online-Plattformen betroffen sind, können vor Schweizer Gerichten klagen. Sie müssen sich allerdings die Anwalts- und Gerichtskosten leisten können."

Neuer Kanal bereits aktiv

Hildmanns Telegram-Kanal ist rund ein Jahr alt. Über diesen kommunizierte er immer wieder Verschwörungstheorien und Falschinformationen zur aktuellen Corona-Situation. Außerdem kam es auch immer wieder zu antisemitischen Äußerungen. Darüber hinaus soll er sich offen gegen Homosexualität ausgesprochen und zu bewaffnetem Widerstand aufgerufen haben. Hildmann wird nun wegen Verdachts auf Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung mittels Haftbefehl gesucht.

Die Telegram-Sperre will er aber nicht auf sich sitzen lassen. Laut Zdf.de hat er bereits einen neuen Kanal erstellt. Darin schreibt Hildmann: "Das ist hier jetzt mein Ersatzkanal erstmal – mal sehen, wie lange, aber ich schau mal, dass wir jetzt hier nicht die ganze Wahrheit sagen, dass wir uns im rechtlichen Rahmen bewegen." Es dauerte nur zwei Stunden, bis dem neuen Kanal rund 2.000 Personen folgten. Wo sich Attila Hildmann augenblicklich genau aufhält, ist nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass er in der Türkei untergetaucht ist.

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