Hilferuf an Kanzler namens 30.000 Lehrer

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: Hilferuf an Kanzler namens 30.000 Lehrer. Und: Nach Kritik in "Heute": Grün für Seminare.

Lehrer sind keine Pfleger, habe ich geschrieben. Jetzt erreicht mich der Hilferuf der "Aktiven Pflichtschullehrer*innen" (apfl) namens Tausender Lehrerinnen, die Schüler mit speziellem Förderbedarf durch die harten Corona-Zeiten führen. Das betrifft österreichweit offiziell 30.000 Kinder, in der Praxis sind es doppelt so viele.

In einem Brief an Kanzler Kurz heißt es: "Viele Schüler mit besonderen Bedürfnissen, körperlich, geistig, psychisch, können die Covid-19-Maßnahmen nicht einhalten. Einige sind oftmals unberechenbar, agieren häufig impulsgesteuert. Andere sind krank oder mehrfach beeinträchtigt, bedürfen einer intensiven Pflege. Obwohl wir der einzige schulische Bereich mit Körperkontakt sind, haben wir nicht einmal FFP2-Masken erhalten. Wir fühlen uns allein gelassen."

Ganz arg: Genau diese Lehrerinnen müssen per neuestem Erlass als Einzige auch bei Ampel-Rot den Unterricht in den Schulen fortsetzen. Ich pack es schon wieder nicht.

Note: Nachprüfung, bitte!

Nach Kritik in "Heute": Grün für Seminare

Nach meiner Kritik an der PH Wien, die mit Verweis auf Wien-Orange einer Schule und der Referentin, einer VS-Direktorin, ein Wochenend-Fortbildungsseminar in NÖ untersagen wollte, wurde nun zurückgerudert. In dem Schreiben der PH an mich heißt es: "Die Leitlinien der PH Wien sind adaptiert worden. Ab 1. Oktober dürfen Veranstaltungen dort, wo Ampelphase Grün oder Gelb gilt, auch in Präsenz der Teilnehmer*innen stattfinden." Heißt: Solange die Schule faßmanngelb ist, gibt's trotz PH-Orange grünes Licht für Fortbildung. Hunderte Schulen wären von Absagen betroffen gewesen.

Danke PH, danke Herr Minister! Apropos danke: Respekt vor Heinrich Himmer. Dass ich den Wiener Bildungsdirektor hier öffentlich hart kritisieren kann, ohne zu ihm zitiert zu werden oder gar einen Maulkorb verpasst zu bekommen (als Schuldirektor bin ich ihm ja unterstellt), ist keine Selbstverständlichkeit. Der Mann beweist im Nehmen Größe. Er wird's brauchen. ;-)

Note: Sehr gut

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier.

Lehramtsstudierende vor Mobilmachung!

Ein paar Wochen Unterricht, schon gehen in den Schulen die Corona-Zahlen durch die Decke. Aktuell sind, vorsichtig geschätzt, 2.000 Schüler aktiv infiziert. Zu Wochenbeginn hatte das Gesundheitsministerium gegenüber der Zeitung "Österreich" 1.125 positive Falle bestätigt, eine Woche davor waren es 700 gewesen, also ein dramatischer Anstieg im Wochentakt.

In Frankreich geht bereits ein Drittel aller Corona-Fälle auf Schulen und Unis zurück. In Luxemburg ist die Situation so schlimm, dass 93 Lehrerinnen aus der Quarantäne in den Unterricht zurückgeholt wurden, was kurz auch für Österreich angedacht war, aber jetzt dank "Heute" vom Tisch ist. Wie ich am Samstag gehört habe, bereiten die Pädagogischen Hochschulen gerade logistisch den Einsatz von Hunderten Lehramtsstudierenden für den Winter vor. ENDLICH!

Note: Gut
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