Am Ende waren sich die Geschworenen einig. Der 35-jährige Balkan-Schwede sei "gezielt vorgegangen". Der Mord an seiner Ex-Partnerin sei "fast eine Hinrichtung" gewesen, betonten die Richter. Nun wurde Ermin B. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
"Sie haben sie schuldig gemacht dafür, dass sie Ihnen die Kinder weggenommen hat", schlussfolgerte die Richterin. Am 21. Oktober des Vorjahres kam es zum Ende einer Beziehung, die schon davor durch Gewalt geprägt war. Der 35-Jährige schoss seiner ehemaligen Lebensgefährtin aus nächster Nähe in den Kopf – jede Hilfe kam zu spät.
Vor Gericht hatte sich Ermin B. zum Mord und dem Verstoß gegen das Waffengesetz schuldig bekannt. Die Tat sei jedoch eine Kurzschlusshandlung gewesen, sagte er sinngemäß. Weitere Anklagepunkte wie die Körperverletzung und die gefährliche Drohung hatte er bis zuletzt bestritten. Am Tag der Urteilsverkündung fand er keine Worte: "Ich kann das wirklich nicht aussprechen."
Noch am Donnerstag hatte sich die Anwältin des Täters gegenüber "Heute" zur Tat geäußert. "Er hatte Angst, die Kinder nicht mehr zu sehen", erklärte Verteidigerin Astrid Wagner. "Man muss die Männer in Trennungssituationen besser betreuen und darf sie nicht alleine lassen. Es braucht mehr Männerberatung."
Die Beziehung des Paares hatte sich in den letzten eineinhalb Jahren erheblich verschlechtert, heißt es in der Anklage. Oft wurde um Geld gestritten. Ermin B. fehlte es als selbstständigen Gärtner an Aufträgen, konnte Schulden nicht zurückzahlen. Immer wieder soll er gegenüber der Familie aggressiv geworden sein.
Am 15. August 2023 eskalierte die Situation. Nach einem Besuch am Kirtag in Leopoldsdorf soll der Balkan-Schwede seine Partnerin verprügelt haben, drohte ihr angeblich mit Mord. Wenige Tage später machte die Frau Schluss, zog mit den Kindern zu ihren Eltern nach Strasshof. Die 35-Jährige zeigte ihren Ex an. Die Polizei verhängte ein Annäherungs- und Betretungsverbot über Ermin B. Der Gärtner durfte seine Kinder nicht mehr sehen.
Bei dem angekündigte Geständnis war der Täter eher wortkarg. Statt über den Tattag sprach er lieber über rosigen Zeiten der Familie – seine Ex-Partnerin, ihre Liebe und die Kinder. Er habe dem Opfer nur in den Rücken schießen wollen, beteuert er: "Ich wollte sie nur verletzen".
Hier gibt es Hilfe für Betroffene von Gewalt:
► Frauenhelpline: 0800 222 555
► Wiener Interventionsstelle/Gewaltschutzzentrum: 0800 700 217
► Opfer-Notruf: 0800 112 112
► Notruf des Vereins der Wiener Frauenhäuser: 05 77 22
Den teuflischen Plan heckte B. bei sich Zuhause aus. Er sich Tipps zum Waffenkauf auf YouTube an und besorgte sich um 700 Euro eine Pistole am Wiener Praterstern. Am 21.10. lauerte er seiner Ex-Frau in Strasshof auf, schoss ihr aus kurzer Distanz in den Kopf.