Experte warnt

Hirnimplantate: Droht schleichende Manipulation?

Neurotechnologie könnte Millionen heilen - doch Experten warnen vor Manipulation durch Tech-Konzerne. Datenschützerin fordert rasches Handeln.
Technik Heute
05.09.2026, 14:07
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Erkrankungen des Nervensystems - von Schlaganfällen über Depressionen bis hin zu Parkinson - betreffen weltweit Hunderte Millionen Menschen. Moderne Neurotechnologie verspricht nun bahnbrechende Behandlungsmethoden, die das Gehirn nicht nur auslesen, sondern aktiv verändern können.

An der Berliner Charité setzen Forschende um Prof. Surjo Soekadar auf nicht-invasive Verfahren, um Risiken zu minimieren. Die Erfolge sind beeindruckend: Schlaganfallpatienten konnten selbst Jahrzehnte nach dem Ereignis verloren geglaubte Handfunktionen zurückerlangen. Bei einer schwer depressiven Patientin wurden die Symptome innerhalb einer Woche halbiert. Sogar der Tremor bei Parkinson-Patienten lässt sich durch gezielte Impulse durchbrechen.

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Doch wie heise online berichtet, birgt die Technologie auch erhebliche Gefahren. Soekadar warnt vor der Kombination aus Neurotechnologie, künstlicher Intelligenz und Verhaltensdaten: Wenn Konzerne genau wissen, in welchem emotionalen Zustand sich ein Mensch befindet, könnten sie feine Impulse nutzen, um Verhaltensänderungen anzustoßen. Das Marktpotenzial allein in den USA: rund 400 Milliarden Dollar.

Datenschützerin schlägt Alarm

Bundesdatenschutzbeauftragte Prof. Louisa Specht-Riemenschneider fordert den Gesetzgeber zum Handeln auf: "Selbst wenn Person XYZ darin einwilligt, dass Gehirndaten in irgendeiner Form benutzt werden sollen, muss es möglich sein, für einen Staat zu sagen: Nein, das geht nicht, weil die negativen Externalitäten zu groß sind." Man dürfe nicht denselben Fehler wie bei den sozialen Medien wiederholen und zu spät regulieren.

Soekadar plädiert zudem für eine gezielte europäische Industriepolitik: Deutschland verfüge zwar über exzellente Grundlagenforschung, verliere aber regelmäßig Talente und Ideen an die USA. Um nicht in völlige Abhängigkeit von amerikanischen oder chinesischen Konzernen zu geraten, brauche es europäisches Wachstumskapital und verbindliche ethische Standards.

tec,05.09.2026, 14:07