Szene

Hirsch wollte immer nur Wiener sein

Der bekannte Liedermacher ist durch und durch Wiener gewesen. Auch, wenn er in der Steiermark geboren wurde.
Heute Redaktion
14.09.2021, 16:42

Geboren im steirischen Hartberg, wuchs er im 2. Bezirk (Leopoldstadt) auf und studierte nach seiner Schulzeit Grafik an der Angewandten. Anlässlich der Überreichung des "Goldenen Rathausmann" im Juni erklärte er zu seiner steirischen Herkunft: "Ich bin eigentlich Wiener, ich wurde nur zufällig dort geboren."

Schauspielerische Karriere

Was manche nicht wussten: Nach seiner Ausbildung an der Angewandten besuchte Hirsch die Schauspielschule Krauss in Wien. 1973, im Alter von 27 Jahren, debütierte er am Stadttheater Regensburg. In den Jahren 1976 - 1979 war er Ensemblemitglied des Thaters in der Josefstadt in Wien.

Mit 32 zum bedeutenden Liedermacher

1978 startete er seine musikalische Karriere, die durchzogen war mit kritischen, makaber-morbiden Texten. So wurde er zu einem bedeutenden Vertreter des Austropop. Den Durchbruch konnte der Chansonnier bereits mit seinem Debütalbum im Jahr 1978 feiern: Es waren "Dunkelgraue Lieder", die ihn seine ganze Karriere über begleiteten sollten, wie auch seine Nummern von inhaltlicher Morbidität und Hintergründigkeit gekennzeichnet waren. Aber auch feine Zwischentöne gehörten zu Hirschs Repertoire: "Im letzten Album, da ging es um die Damen und bei denen wird naturgemäß ein bisschen weniger stark gezwickt - aber das kommt schon wieder", erklärte er noch 2010 im Interview .

Seine bedeutendste Tournee war die "Gottlieb-Torunee" 1991 und 1992, bei der vor insgesamt mehr als 200.000 Zuschauern auftrat.

Im vergangenen Herbst ging Hirsch auf Tour, "Vielleicht - zum letzten Mal", so der Titel.

"Immer noch verliebt"

Es sollten aber noch die diesjährigen Konzerte gemeinsam mit seinem langjährigen Partner Johnny Bertl folgen, die einen Überblick über die knapp 30-jährige, kreative Schaffensphase des Sängers boten. Diesen durften sich Fans auch des öfteren nach Hause holen, gab es doch mit "Den größten Hits aus 20 Jahren" (1997), dem Livemitschnitt "Dunkelgrau" (1999) oder der Werkschau "Ausgewählte Lieder" (2004), die kurze Einleitungen des Sängers zu den jeweiligen Songs beinhaltet, auch eine Neuauflage seines gesamten Werkkatalogs im Jahr 2008. Im Rückblick auf sein Schaffen meinte Hirsch damals, dass er "immer wieder positiv überrascht" wurde: Es gebe "uralte Lieder, in die bin ich immer noch verliebt".

Texte und Schauspiel

Ein Sammelband seiner Texte ist im vergangenen Herbst unter dem Titel "Ich weiß es nicht, wohin die Engel fliegen" erschienen. Dem Theater hat Hirsch in dieser Zeit nie gänzlich den Rücken zugekehrt, 2004 war er etwa bei den Festspielen Reichenau in Tschechows Untergangskomödie "Der Kirschgarten" und 1998 im Volkstheater ("Irma La Douce") zu sehen. Anfang der 1990er Jahre komplettierte er das Ensemble beim Salzburger "Jedermann". Egal ob Musik, Theater oder Lesung, bei Hirsch ging es immer um die Geschichte, wie er einst erklärte: "Ich kann nichts anderes als Geschichten erzählen, den Leuten Bilder malen, akustisches Kino zu bieten. Es wäre schrecklich, wenn ich mich auf anderes Terrain begeben würde. Ich hab's hin und wieder versucht - und es hat absolut nicht funktioniert."

Neues Album geplant

Noch vergangenes Jahr erklärte Hirsch, dass er sich diesen Herbst für ein neues Album "hinsetzen und ein bissl grübeln" wolle. Thematisch sollte es um für Hirsch Typisches gehen: Träumen, Staunen, Lächeln, bissl Gänsehaut immer wieder, und das Zwicken in die Wadeln. Das hab ich immer gern gemacht, die Leute einzulullen, dass sie sich wohl fühlen und zum Schluss ein bissl zwicken."

Ludwig Hirsch ist im Alter von 65 Jahren gestorben.