Im Libanon heizt ein Satire-Video die religiösen Spannungen im Land an. Der private, dem christlich-maronitischen Lage zugeordnete Fernsehsender LBCI zeigte darin Hisbollah-Chef Naim Kassem und seine Kämpfer als Figuren aus dem weltbekannten Handyspiel "Angry Birds". Die zornigen Vögel kämpfen im Clip gegen die als grüne Schweine dargestellten israelische Luftwaffe.
Die pro-iranische, islamistische Miliz reagierte am Samstag empört. Das Video enthalte "beleidigende und billige Beschimpfungen", die den politischen Diskurs "auf ein widerliches Niveau" herabwürdigten, hieß es in einer Stellungnahme.
Als Reaktion fluteten wütende Hisbollah-Anhänger das Internet mit Beleidigungen gegen Kardinal Beschara Rai, den Patriarchen der maronitischen Kirche und höchste christliche Autorität im Land. Das verschärfte die ohnehin angespannte Lage zwischen den Religionsgruppen.
Präsident Joseph Aoun verurteilte "jegliche Angriffe auf die Oberhäupter christlicher und muslimischer Religionsgemeinschaften". Ministerpräsident Nawaf Salam warnte eindringlich, es müsse verhindert werden, "dass das Land in eine Atmosphäre verheerender Konflikte gerät".
Der Sender LBCI löschte das Video nach einer Vorladung durch die Justiz. Die Situation im Libanon ist seit Anfang März extrem angespannt. Damals wurde das Land in den Konflikt zwischen Iran und Israel hineingezogen. Seit dem 17. April gilt zwar eine von US-Präsident Trump verkündete Waffenruhe, doch Israel und die Hisbollah setzen ihre gegenseitigen Angriffe fort.
Der Libanon zählt zu den religiös vielfältigsten Ländern der Welt: 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sind Muslime (Sunniten und Schiiten), etwa 30 bis 40 Prozent Christen (Maroniten, griechisch-orthodox und griechisch-katholisch sowie armenische Kirche), dazu kommen rund fünf Prozent Drusen.
Eine Besonderheit: Religion bestimmt auch die Politik. So muss der Präsident Christ sein, der Premier Sunnit und der Parlamentschef Schiit. Viele Menschen identifizieren sich stark mit ihrer Glaubensgemeinschaft, gleichzeitig spielt aber auch eine gemeinsame libanesische Identität eine wichtige Rolle.
Die Hisbollah ist keine klassische Regierungspartei, aber sie ist fixer Teil des politischen Systems im Libanon. Die schiitische Bewegung sitzt im Parlament und stellt gemeinsam mit Verbündeten auch Minister in der Regierung. Gleichzeitig ist sie aber viel mehr als das: Sie hat eine eigene, starke Miliz, die unabhängig vom Staat agiert.
Das führt zu einer besonderen Situation: Offiziell ist die Hisbollah Teil der Politik, de facto aber auch eine militärische Macht im Land. Vor allem unter Schiiten genießt sie großen Rückhalt, während andere Gruppen sie kritisch sehen. Diese Doppelrolle sorgt immer wieder für Spannungen - im Inland und international.