Hitze und Trockenheit machen der Atomstromproduktion in Frankreich ordentlich zu schaffen. Am Sonntagnachmittag wurde beim Kraftwerkspark des Betreibers EDF laut Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP ein neuer Höchststand bei den Ausfällen erreicht. Die Daten reichen bis 2015 zurück. Die Ausfallquote lag bei 15,6 Prozent – so viel Kernkraftleistung hat in Frankreich wegen steigender Temperaturen der Flüsse und sinkender Wassermengen noch nie gefehlt.
Frankreich hat insgesamt 57 Atomreaktoren. Normalerweise sorgen sie für rund 70 Prozent des gesamten Stroms im Land. Alle Reaktoren stehen an Gewässern, damit die Anlagen gekühlt werden können. Doch bei Dürre oder Hitze muss die Produktion zurückgefahren werden. Das soll verhindern, dass sich das Wasser in den Flüssen noch weiter aufheizt und die Umwelt belastet wird. Am Sonntag mussten deshalb fünf Reaktoren (Tricastin 1 und 4, Saint-Alban 1 und 2 sowie Bugey 3) ihre Leistung anpassen. Zusätzlich waren vier Reaktoren (Golfech 2, Chooz 1 und 2, Cattenom 1) komplett außer Betrieb.
EDF betonte mit Blick auf die Sicherheit, dass die Reaktoren trotz der hohen Wassertemperaturen ohne erhöhtes Risiko laufen könnten. Die von der französischen Atomaufsicht festgelegten Grenzwerte würden dem "Schutz von Flora und Fauna" dienen, erklärte der Konzern.
Außerdem stellte EDF klar, dass die Auswirkungen von Dürre und Hitze auf die Atomstromproduktion "sehr gering" seien – Frankreich bleibe weiterhin ein wichtiger Stromexporteur in Europa.