Österreich

Hitzetod in Horn: Nun offener Brief der Rekruten

Die Kameraden des an Überhitzung gestorbenen Soldaten in Horn wehren sich gegen "Fake News". Aber, was stimmt nun wirklich?

Heute Redaktion
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Bild: Sabine Hertel

Der Tod des 19-jährigen Toni P. während eines Ausbildungsmarsches beim Bundesheer schlägt hohe Welle. Laut Obduktion starb er an Überhitzung mit 44 Grad Fieber.

In der Wochenzeitung "Falter" erhob der Vater eines Kameraden schwere Vorwürfe gegen das Militär. "Mehr als 29 Männer" seien schon bei den Übungen am Vortag in Ohnmacht gefallen. Nach dem Zusammenbruch von Toni P., der sich "während des Marsches schlecht gefühlt" habe, sei "nicht sofort die Rettung verständigt worden". Er spricht davon, dass die Burschen eingeschüchtert und drangsaliert würden.

Mittlerweile wurde vonseiten des Bundesheeres eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt, der zuständige Minister Hans Peter Doskozil fordert eine "lückenlose Aufklärung". Auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit dem Fall, es steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum.

Zweite Seite der Medaille

Das Bundesheer und die Ausbilder stehen bei all diesen Vorwürfen schlecht da. Nach dem Bericht des "Falters" wurde der "Kronen Zeitung" ein Brief der Rekruten zugespielt. Drei Kollegen von Toni P. aus der 1. Gardekompanie wehren sich darin gegen die "Fake News" in den Medien.

Die Darstellung, dass es am Vortag 20 Ohnmächtige gegeben haben soll, sei "ein Lügenmärchen". Rekruten, die während der Märsche über gesundheitliche Probleme geklagt haben, seien ohne Schikane zurück in die Kaserne gebracht worden.

Sie bestätigen auch die Mitteilung des Bundesheeres, dass die Marschvorschriften aufgrund der Hitze am zweiten Tag gelockert wurden. Die Soldaten durften in Unterhemd, ohne Helm, mit zusätzlichem Trinkwasser und reduziertem Gepäck vorwiegend im Schatten marschieren.

"Liebe PR-Aktion"?

"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk, der weiterhin von ungeheuren Zuständen beim Bundesheer überzeugt ist, nennt den Brief eine "liebe PR-Aktion". Die Rekruten seien nach seinem Bericht "zusammengeschissen" worden und hätten deshalb den Brief verfasst. Er postet Bilder, was sich die Rekruten in WhatsApp-Gruppen "wirklich" schreiben:

Was stimmt wirklich?

Welche Version der Dinge nun wirklich der Wahrheit enstpricht, werden die laufenden Ermittlungen klären. Sowohl bei den Aussagen des Vaters im "Falter", als auch beim Brief der drei Rekruten handelt es sich letztlich um Zeugenaussagen. Es bleibt abzuwarten, zu welchen Einschätzungen die Untersuchungskommission und die Staatsanwaltschaft kommen.

Mehr Infos zu dem tragischen Tod des Rekruten:

» Toter Rekrut: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

» Toter Rekrut: Doskozil richtet SOKO ein

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