Österreich

Hochosterwitz: Burgherr lässt schwarz bauen

Aufregung um den (fast fertigen) neuen Aufzug auf die Kärntner Burg: Der Bürgermeister ließ das Projekt stoppen – doch es wird weitergebaut.
Heute Redaktion
14.09.2021, 00:27

Majestätisch thront die Burg Hochosterwitz auf einer Felsspitze 175 Meter über der Kärntner Gemeinde St. Georgen am Längsee im Bezirk St. Veit/Glan.

14 Tore schützen die mehr als eintausend Jahre alte Feste, der Aufstieg über den einzigen Weg schlaucht viele Besucher. Ein Personenaufzug machte die Festung auch für weniger agile Besucher zugänglich. Zumindest bis ins vergangene Jahr, denn 2016 wurde der Lift eingestellt.

Er sollte einem neuen Panorama-Aufzug weichen, dessen Bauarbeiten mittlerweile eigentlich schon weit fortgeschritten sind. Die Sache hatte nur einen Haken – Burgherr Karl Khevenhüller-Metsch besitzt keine Genehmigung für sein neues Prestigeprojekt. Das berichtete die "Kleine Zeitung" am Donnerstag.

Der Burgherr hatte zwar im Dezember 2016 einen Bauantrag bei der Gemeinde St. Georgen eingebracht, allerdings musste erst geklärt werden ob das neue Bauprojekt als Seilbahn, oder als Aufzug deklariert werden sollte. Denn: Seilbahnen fallen in die Zuständigkeit des Bundes, während Aufzüge Gemeindesache sind.

Alleingang ohne Genehmigungen

Im März 2017 wurde dann entschieden, dass es sich auch offiziell um einen Aufzug handelt: "In dieser Zeit wurde aber bereits am neuen Aufzug gebaut, ohne Genehmigung. Da musste ich handeln, dazu bin ich verpflichtet", stellte Bürgermeister Konrad Seunig gegenüber der "Kleinen Zeitung" das Dilemma dar und verordnete am 27. April den sofortigen Stopp – weitergebaut wird trotzdem.

Insgesamt sollen nach "ORF" Informationen schon rund 1,8 Millionen Euro in das Projekt geflossen sein.

Pikantes Detail: Schon der alte, als Seilbahn deklarierte, Lift hätte gar nicht abgetragen werden dürfen, denn auch hier fehlte eine Bewilligung des Bundes.

Bau- und Burgherr Khevenhüller-Metsch könnte die erforderlichen Dokumente theoretisch noch nachreichen, doch er scheint vorerst untergetaucht. Bislang war er für Presseanfragen nicht erreichbar.

Doch hinterlässt die Aktion einen fahlen Beigeschmack bei den Bewohnern St. Georgens. Das Recht müsse für alle gleichermaßen gelten, tönt es aus der Ortschaft, wie der "ORF" berichtet.

(rcp)

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