In einem überschwemmten Minenfeld nahe der nordbosnischen Stadt Brcko ist am Mittwoch die erste Landmine explodiert. Verletzt wurde niemand. Das Zentrum für Minenräumung in Sarajevo appellierte an die Bevölkerung, gefundene Minen nicht zu berühren, sondern die Umgebung mit Warnschildern abzusichern.
Seit Beginn des Hochwassers herrscht Angst vor Explosionen der Kriegsrelikte. Jetzt ist es dazu gekommen.
Landkarten mit Minenfeldern
Die bosnischen Minenräumungsdienste erhalten Unterstützung aus dem Ausland, etwa aus Belgien. Bis Monatsende sollen neue Landkarten mit potenziellen Minenfeldern in den von angefertigt werden. Die belgischen Helfer wollen zuerst mit einer Drohne die verminten Gegenden um Maglaj und Doboj, zwei der von den Überschwemmungen am stärksten betroffenen Städte im Nordosten, aus der Luft dokumentieren. Große Gefahr herrscht auch in der Gegend des Flusses Save sowie im Una-Sana-Kanton im Westen des Landes.
1.215 Quadratkilometer gefährlich
In Bosnien sind weiterhin etwa 1.215 Quadratkilometer bzw. 2,4 Prozent des Landesgebietes vermint. Die Minenfelder befinden sich an den einstigen Frontlinien, so etwa bei Maglaj und Doboj. Seit Jahresbeginn kamen vier Personen bei Minenexplosionen ums Leben.
Fäulnisgeruch und Müllberge
Die Situation in den überschwemmten Regionen wird nach dem Zurückgehen des Wassers durch rasch ansteigende Tagestemperaturen erschwert. Nun drohe der Ausbruch des West-Nil-Fiebers und die Verbreitung von Milzbrand, warnte am Mittwoch die Veterinärmedizinischen Fakultät in Sarajevo. Starker Fäulnisgeruch breitete sich in Maglaj und Doboj aus. Müllberge, Staub und Schlamm prägten das Straßenbild.
Dammbruch in Kroatien
In Kroatien ist in Teilen Slawoniens der Ausnahmezustand ausgerufen worden. In der Ortschaft Rajevo Selo brach infolge des Save-Hochwassers ein Damm, der erst 2010 erneuert worden war. Jetzt erhebt ein Dorfbewohner schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Seinen Aussagen zufolge waren an der Stelle kontinuierlich Schotter und Sand abgetragen worden, der Damm war unterhöhlt.
Material vom Damm gestohlen
"Mein ganzes Leben lebe ich an diesem Damm. Noch niemals ist er gebrochen, und es ist kein Zufall, dass das jetzt passiert. Er ist genau an der Stelle gebrochen, wo jahrelang ununterbrochen Sand gestohlen wurde", so Goran Basic. Die staatliche Wasserwirtschaft Hrvatske Vode weist den Vorwurf zurück. Gerüchten zufolge wurde mit dem Schotter eine Teilstrecke des Paneuropäischen Verkehrskorridors 5C gebaut.
Premier Zoran Milanovic ordnete eine Untersuchung der Vorwürfe an. In Slawonien im Osten Kroatiens wurden seit vergangenem Wochenende etwa 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Mehrere Ortschaften stehen noch immer komplett unter Wasser.
Serbien schätzt Schäden
Die serbische Regierung will bis 30. Mai eine Aufstellung der Sachschäden anfertigen. Ersten offiziellen Schätzungen zufolge dürfte sich der Schaden auf mindestens eine Milliarde Euro belaufen. 3.500 des 17.000 Kilometer umfassenden höherrangigen Verkehrswegenetzes sind ruiniert. Besonders schwierig ist die Situation für knapp 32.000 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten. Besonders betroffen ist Obrenovac.
Serbien und Kroatien werden mit Finanzmitteln des europäischen Solidaritätsfonds sowie mit den Mitteln aus der EU-Beitrittshilfe IPA rechnen können.
Insgesamt sind in der Flutkatastrophe am Balkan bisher 47 Menschen ums Leben gekommen.