Die Münchner holten sich am vergangenen Wochenende in einem dramatischen Liga-Finale den elften Meistertitel in Serie. Doch alles wurde von der überraschend schnell verkündeten Freistellung des Vorstandsvorsitzenden Kahn und des Sport-Vorstands Salihamidzic überschattet. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Köln wurde bekannt, dass die Bayern-Bosse gehen müssen. Und Hoeneß seine Finger im Spiel hatte.
Gemeinsam mit Klub-Präsident Herbert Hainer informierte Hoeneß beide Bosse getrennt voneinander in einem Gespräch in seiner Münchner Wohnung. Mit Salihamidzic wurde eine einvernehmliche Lösung gefunden, Kahn wurde schließlich durch einen Beschluss des Aufsichtsrats abgezogen. "Vorübergehend wurde es laut. Die Nachricht, dass es für ihn nicht weitergeht, kam aber nicht aus heiterem Himmel. Wir hatten ihm zuvor immer wieder mal angedeutet, dass diese Möglichkeit besteht. Nach einer Dreiviertelstunde ist er abgerauscht", erzählte der 71-Jährige in der "Süddeutschen Zeitung" vom Gespräch mit Kahn. Dem ehemaligen Weltklasse-Torwart wurde laut Hoeneß auch seine fehlende Kommunikation – nicht zuletzt mit dem "Bayern-Paten" selbst – zum Verhängnis: "Er hat mich vielleicht fünfmal angerufen", erzählte der 71-Jährige.
Schon in den letzten Wochen lief es bei den Bayern nicht rund. Im DFB-Pokal und in der Champions League kam das Aus im Viertelfinale, die Meisterschaft ist nur einem Dortmund-Umfaller am letzten Spieltag zu verdanken. Hinzu kam der Trainerwechsel. Julian Nagelsmann wurde entlassen, Coach Thomas Tuchel übernahm. Hoeneß berichtete deshalb auch von einer ungewöhnlichen Begegnung: Die Klub-Ultras kamen in sein Haus am Tegernee. "Sogar die Leute von der ,Schickeria´ haben gesagt: ,Bitte sorgt dafür, dass unser FC Bayern wieder geradeaus läuft´", so Hoeneß. "Wenn ich sehe, wie wir in der zweiten Halbzeit gegen Leipzig fast vorgeführt werden im eigenen Stadion, da kann ich nicht loslassen! Vielleicht darf ich einfach nicht mehr ins Stadion gehen. Aber das wäre ja auch keine Lösung", schilderte Hoeneß, warum er wieder das Heft des Handels in die Hand nahm.
Ungewöhnlich offen sprach der ehemalige Bayern-Präsident auch über die Nagelsmann-Trennung. Denn davon wusste nicht einmal er selbst. "Niemand" sei laut Hoeneß in die Pläne der mittlerweile entlassenen Bayern-Bosse eingeweiht gewesen. "Auch Herbert Hainer wurde als Aufsichtsratsvorsitzender viel zu spät informiert. Und so etwas geht einfach nicht. Am Mittwoch vor der endgültigen Trennung stand Hasan bei mir vor der Tür und hat gesagt: ,Wir wollen das machen und eigentlich haben wir das auch schon entschieden´", erzählte Hoeneß.
Zwar hätte Hoeneß die Nagelsmann-Entlassung grundsätzlich unterstützt, "ich halte den Zeitpunkt zehn Tage vor dem Dortmund-Spiel für falsch", habe der 71-Jährige aber gesagt. Ebenso falsch sei es aber auch von Nagelsmann gewesen, auf Skiurlaub nach Tirol zu fahren. "Dass Julian Nagelsmann in so einer Krisensituation nach dem 1:2 in Leverkusen überhaupt zum Skifahren geht, fand ich nicht gut. Das hätte nicht passieren dürfen", stellte Hoeneß klar.