Homophober Eklat der Ried-Fans im Derby gegen LASK

Ried-Fans präsentierten ein homophobes Plakat, das den LASK beleidigen sollte.
Ried-Fans präsentierten ein homophobes Plakat, das den LASK beleidigen sollte.Gepa, Screenshot
Ried-Fans sorgen beim Derby-Sieg gegen den LASK mit homophoben Beleidigungen für einen bitteren Nachgeschmack. Die Klubs reagieren bei "Heute".

7.300 Fans verwandelten das Rieder Stadion am Sonntag in einen Hexenkessel. Die "Wikinger" schlugen Favorit LASK im Oberösterreich-Derby am sechsten Spieltag der Bundesliga mit 1:0, sind dem Rivalen in der Tabelle enteilt und feiern sich selbst in Folge als die "Nummer 1 im Land".

Ried-Goalie Samuel Sahin-Radlinger, der durch seine Glanzparaden zum Matchwinner wurde, jubelte bei "Sky": "Bisher der geilste Sieg in Ried!", ehe er zur Fan-Kurve lief, mit Kollegen und Anhängern sang und tanzte. 

Homophobes Plakat

So ausgelassen die Bilder der feiernden Ried-Fans nach dem Abpfiff waren, so ernüchternd waren einige Szenen während des Matches. Hinter dem Tor wurde im Rieder Fanblock ein homophobes Plakat zusammen mit Pyrotechnik zur Schau gestellt. Untermalt wurden die Bilder mit Sprechchören: "Schwuler ASK."

Selbiges steht auch auf dem betreffenden Banner geschrieben. Darunter sind zwei Spieler abgebildet, die sich küssen. Einer trägt eine Regenbogen-Schleife am Arm – ein Symbol der "LGBTQ+"-Community. Der andere trägt die Rückennummer 36. Im LASK-Kader gehört diese Ersatz-Torhüter Thomas Gebauer. Der langjährige Ried-Keeper steht als "Überläufer" zum Rivalen in seiner alten Heimat nicht mehr allzu hoch im Kurs. Beide tragen, was am folgenden Bild leider nicht zu erkennen ist, pinke Trikots. Damit spielen die Rieder auf das Pink auf den Linzer Dressen an.

Auch LASK-Fans sind übrigens nicht gerade begeistert, dass der Verein die Tradition der Vereinsfarben Schwarz und Weiß für den Sponsor "BWT" bricht.

Alles in allem handelt es sich also um ein zutiefst homophobes Plakat, das den Gegner provozieren und beleidigen soll. Ein Spieler wird dabei sogar direkt angegriffen. Zeitgemäß ist das nicht.

Pyrotechnik und ein homophobes Plakat im Ried-Fansektor.
Pyrotechnik und ein homophobes Plakat im Ried-Fansektor.Gepa

Ried gegen Homophobie, verteidigt aber Fanszene

"Heute" fragte Dienstagmittag bei den beiden Klubs nach. 

Der LASK findet es "traurig, dass so etwas nach wie vor in Österreichs Stadien vorkommt". Auf "Heute"-Nachfrage stellen die Linzer klar: "Das ist nicht zu akzeptieren. Homophobie ist auf jeden Fall zu verurteilen. Das wird man sicher auch in Ried so sehen. Leider kann man sowas nie zur Gänze verhindern. Wir sind aber froh, dass sich unsere Fanszene in den letzten Jahren in die richtige Richtung entwickelt hat. Vorfälle sind wirklich rar." Was die Derby-Verlierer stört: Das Plakat war keine spontane Aktion, die aus der Emotion heraus passiert ist. "Da hat sich jemand über Stunden damit befasst und das vorbereitet."

Der Doppelhalter war über das Spiel hinweg immer wieder zu sehen – nicht nur für Stadionbesucher und die Teams, auch für die TV-Zuseher.

Die SV Ried reagierte mit einem Statement, in dem Homophobie abgelehnt, eine Aufarbeitung mit den Fans angekündigt wird. Die Fanszene verteidigt der Klub darin aber. Folgend die Ried-Stellungnahme im Wortlaut:

"Derartige Äußerungen sind für uns als Verein nicht angenehm, aber gerade bei so einem so brisanten Derby wie gegen den LASK nicht immer zu verhindern. Die Fangruppen der Vereine versuchen sich durch derartige Äußerungen gegenseitig herabzuwürdigen. Dabei geht es in erster Linie um die Beleidung selbst und weniger um den tatsächlich transportierten Inhalt. Leider werden auch Themen wie Homophobie dafür benützt, was wir als Verein natürlich in jeder Hinsicht ablehnen. Als Verein treten wir ganz klar gegen jede Form von Homophobie, Rassismus und Diskriminierung auf. Wir stehen voll hinter unserer Fanszene und treffen uns regelmäßig mit unseren Fan-Clubs. Dabei werden derartige Vorfälle natürlich besprochen, damit sie künftig möglichst nicht mehr vorkommen."

Vor einem Jahr: Sexismus-Ärger durch Rapid-Plakat

Unangenehm sind derartige Vorfälle für die betreffenden Klubs allemal. Zum Vergleich: Rapid-Fans hatten vor etwas mehr als einem Jahr mit einem sexistischen Plakat für Aufregung gesorgt. "A Stadion mit leeren Plätzen is wie a schiache Oide wetzen", protestierten Ultras im vergangenen Sommer gegen Corona-Geisterspiele. Der Schriftzug wurde noch vor dem Anpfiff vom Verein aus dem Block West des Allianz Stadion entfernt. Klub-Ikone Gustl Starek kündigte daraufhin beispielsweise seine Mitgliedschaft beim Klub. Sponsoren wandten sich ab.

Dieses Spruchband von Rapid-Ultras sorgte 2020 für einen Aufschrei.
Dieses Spruchband von Rapid-Ultras sorgte 2020 für einen Aufschrei.Gepa
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