Homosexuelle kritisieren Faymann für Sotschi-Reise

Vertreter der Homosexuellen Initiative (HOSI) sind wegen der Pläne von Bundeskanzler Werner Faymann, zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi zu reisen, geschockt. Sie fordern den SPÖ-Politiker auf, seine Haltung zu überdenken.


Bei den Trauerfeiern zu Nelson Mandelas Ableben .

Putin wohl kaum beeindruckt

Die HOSI sei "entsetzt" über Faymanns Entscheidung, erklärte Obmann Christian Högl in einer Aussendung am Donnerstag. "Selbst wenn Faymann in Sotschi Gelegenheit und die Courage hätte, gegenüber Putin einige kritische Äußerungen anzubringen, würde sich Putin wohl kaum davon beeindrucken lassen. Von der Anwesenheit des Bundeskanzlers in Sotschi wird daher - nicht zuletzt wegen der prominenten offiziellen Absagen u. a. aus Deutschland, Frankreich und den USA - einzig und allein das Signal übrigbleiben, dass dem offiziellen Österreich die Situation der Menschenrechte in Russland im allgemeinen und von Homosexuellen im besonderen herzlich egal ist."

Faymanns "peinliche Adabei-Allüre"

Högl zeigte sich auch darüber verärgert, dass ausgerechnet ein SPÖ-Politiker nach Sotschi fahre, da die Partei "für sich in Anspruch nimmt, für Lesben- und Schwulenrechte einzutreten. Doch diese Entscheidung des Parteichefs konterkariert die Parteilinie in dieser Frage und degradiert sie zu einem bloßen Lippenbekenntnis". Die HOSI hofft auf einen Meinungsumschwung: "Wir fordern den Bundeskanzler daher dringend auf, seine Pläne zu überdenken. Und an die kritischen Stimmen in der SPÖ richten wir den Appell, Faymann um der Glaubwürdigkeit der Partei willen zur Vernunft zu bringen." Faymanns "peinliche Adabei-Allüre könnte sich letztlich also alles andere als förderlich fürs eigene Image erweisen"

SPÖ verteidigt Faymann

Die SPÖ verteidigt hingegen die Reise des Bundeskanzlers damit, dass ein Olympia-Boykott der falsche Weg sei. "Bundeskanzler Werner Faymann handelt richtig, nach Sotschi zu fahren, dort die österreichischen TeilnehmerInnen zu unterstützen und auf diplomatischer Ebene eine klare Haltung zu den unerträglichen Diskriminierungen in Russland zu vertreten", erklärte der Bundes- und Wiener Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Transgender- und Intersexuellen-Organisation SoHo, Peter Traschkowitsch.

"Kaum Platz in Putins Gedärmen", "zahlreiche Arschkriecher"

Die HOSI beantwortete dies mit einer satirischen Presseaussendung. Der Kreml zittere bereits vor Faymann, heißt es darin. Dann wird es allerdings untergriffig: "Putin habe vor Schreck seine Teetasse fallen lassen, erklärte heute ein Kreml-Sprecher in Panik, dementierte aber energisch Gerüchte, Putin habe sich vor Angst auch in die Hose gemacht. Das sei schon deshalb gar nicht möglich, weil Putin seit Tagen noch fester die Pobacken zusammenkneife und seinen Schließmuskel trainiere." Zum Abschluss ist noch zu lesen: "Angesichts der zahlreichen Arschkriecher, die in Sotschi erwartet werden, wird für Faymann kaum Platz in Putins Gedärmen sein."

Umfrage: 59 % für Boykott

Über die Wahl der Worte wird sicherlich noch diskutiert werden. Vor allem weil Faymann mit einem Olympia-Boykott in der österreichischen Bevölkerung sogar auf großes Verständnis stoßen würde. Laut einer aktuellen "profil"-Umfrage sind 59 Prozent der Befragten dafür, dass österreichische Politiker die Spiele in Sotschi boykottieren sollten.
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