Neben Posträuberin gab es zweiten Verdächtigen

Ende Jänner wurde Hedwig S. (64) in Ebergassing ermordet. Seit Februar sitzt Tamara B. (43) als Hauptverdächtige in U-Haft. Aber: Es gab einen zweiten Verdächtigen, einen Altenpfleger (55).
Bisher unbekannte Details rund um den blutigen Kriminalfall in Ebergassing (Bezirk Bruck an der Leitha): Wie berichtet war Hedwig Sch. Ende Jänner tot in ihrer Wohnung gefunden worden.

Kurz darauf hatte die Polizei zwei Verdächtige: Einen Krankenpfleger aus der Slowakei, der im Wohnhaus des Opfers eine alte Frau betreute. Der Pfleger gab anfangs an, Hedwig S. nur vom Sehen gekannt zu haben. Doch eine Rufdatenauswertung ergab etwas anderes: Der Slowake machte oft Spaziergänge mit der 64-Jährigen und besuchte sie zuletzt zu Weihnachten, schenkte ihr zwei Glöckchen. Und dann tauchte der Pfleger erst wieder rund einen Tag vor dem Mord an Hedwig Sch. in Ebergassing auf. Die Leiche der Pensionistin war am Freitag, 25. Jänner, gefunden worden, die Tat dürfte einige Tage davor passiert sein, vermutlich am 22. Jänner.

Denn da hatte sie noch mit einem ihrer vier Geschwister (drei Schwestern, ein Bruder) telefoniert. Die Schwester gab gegenüber der Polizei an: "Wir telefonierten um die Mittagszeit. Sie war gut drauf. Dann läutete es an der Tür, meine Schwester meinte, sie müsse jetzt auflegen, weil sie glaube, eine Freundin würde kommen." Es war das letzte Lebenszeichen der 64-Jährigen. Möglich, dass mit der Freundin Tamara B. gemeint war, die immer wieder bei Hedwig Sch. war. Ob es tatsächlich Tamara B. war, ist ungewiss, es könnte auch ein männlicher Besucher gewesen sein.

CommentCreated with Sketch.9 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Beide über Safe informiert

Die 43-jährige Tamara B. war nach einem Postraub in Klosterneuburg-Kierling mit Bruststich für die Filialleiterin viele Jahre in Haft gesessen ("Heute" berichtete). Nach der Haft lernte sie auch Hedwig Sch. kennen – die beiden Frauen waren befreundet. Tamara B. dürfte an notorischer Geldnot gelitten haben, ihr vorletztes Konto wurde mit knapp minus 1.000 Euro geschlossen, ihr jetziges Konto (ohne Rahmen) wies 1,50 Euro Plus auf. Verdächtig: Ihr Smartphone tauschte sie am Mittwoch, 23. Jänner, gegen ein ARCHOS-Tastentelefon aus. Dieses Handy wurde in der ersten Feburarwoche beim Freund der Verdächtigen im Mistkübel gefunden. Und: Das Mordopfer hatte einen Möbeltresor, in dem einige Tausend Euro waren. Nur: Auch der Slowake wusste, dass Hedwig S. einen Tresor zu Hause hat. Allerdings gab er gegenüber den Ermittlern an, nicht gewusst zu haben, wo der Safe in der Wohnung sei.

Tamara B. wurde daraufhin in Haft genommen ("Heute" berichtete), am Tatort wurden einige Spuren der Verdächtigen gefunden. Tamara B. zeigte sich nicht geständig, bestritt stets den Mord an Hedwig Sch. Rückendeckung bekam Tamara B. auch von einer Freundin: Jacky K., die sich nicht vorstellen kann, dass Tamara B. die Mörderin ist ("Heute" berichtete).

Die Anwälte von Tamara B., Wolfgang Blaschitz und Astrid Wagner, sagen dazu: "Die Spuren sind für uns nicht eindeutig, weil die Mandantin war ja öfters am späteren Tatort zu Besuch, das hat sie auch zugegeben. Und warum schaut sich die Polizei den zweiten Verdächtigen nicht genauer an? Er log am Anfang, tauchte zu Weihnachten ab und kurz vor dem Mord wieder auf. Also für uns ist das relativ einseitig." Denn während Tamara B. in U-Haft genommen wurde, eine Beschwerde gegen die Untersuchungshaft beim Oberlandesgerichts nichts einbrachte, ist der slowakische Pfleger offenbar aus dem Schneider. "Der kann jederzeit in der Slowakei untertauchen", meint Advokat Wolfgang Blaschitz. Tamara B. beteuert nach wie vor ihre Unschuld. Für beide Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. (Lie)

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