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Huawei P60 Pro im Test – diese Kamera hängt alle ab

Huawei liefert mit dem neuen P60 Pro erneut das Kamera-Handy des Jahres ab. Vor allem Makro- und Blendenfotos gibt es in nie dagewesener Qualität.

Rene Findenig
Das Huawei P60 Pro im Test – ganz neues Design trifft auf die stärkste Smartphone-Kamera am Markt.
Das Huawei P60 Pro im Test – ganz neues Design trifft auf die stärkste Smartphone-Kamera am Markt.
Rene Findenig

Es ist schon so etwas wie eine liebgewonnene Tradition: Kommt ein neues Huawei-Handy auf den Markt, sprengt es die bisherigen Kamera-Charts. So auch das neue Huawei P60 Pro, das das Unternehmen am 9. Mai in München der Öffentlichkeit präsentiert hat. Das Flaggschiff-Smartphone verbessert die ohne atemberaubenden Kamera-Qualitäten des Vorjahr-Spitzenmodells Huawei Mate 50 Pro noch weiter und beeindruckt vor allem bei Blende und Makrofotografie gewaltig. Das Unternehmen setzen dazu auf ein ganz neues, innovatives Kamera-System. Was dem Smartphone allerdings weiter fehlt, ist eine 5G-Unterstützung. "Heute" konnte es sich einige Tage lang im Vorfeld ausprobieren – der ausführliche Test-Bericht.

Schon beim Design schlägt das Huawei P60 Pro ganz neue, schicke Wege ein. In Österreich werden zwei Farb-Varianten erscheinen. Eine davon zeigt sich in klassischem Metallic-Schwarz mit Glasrückseite, das andere (Testgerät) in der weißen Modellfarbe "Rococo Pearl" mit Keramikrücken. Dieses einzigartige, strukturierte Design soll bei jedem P60 Pro etwas anders aussehen und ist ein echter Hingucker. Nicht nur das: Die matt erscheinende Oberfläche fühlt sich samtig weich an und Fingerabdrücke sind überhaupt nicht erkennbar. Umschlossen wird das Smartphone von einem silberglänzenden und recht dünnen Metallrahmen. Da sich sowohl Rücken, als auch Display in den Rahmen wölben, ergibt sich ein fließender Übergang.

Einzigartiges und schickes "Rococo Pearl"-Design 

Statt wie viele Konkurrenten immer gigantischere und klobigere Handys zu schaffen, bleibt Huawei mit seiner P-Modellreihe den Maßen der Vorgänger ziemlich treu. Mit rund 161 x 74,5 x 8,3 Millimeter ist das Smartphone schlank ausgefallen und hat in etwa Höhe und Breite beibehalten, so wie man den Formfaktor in etwa bereits seit dem Huawei P30 Pro (158 x 73,4 x 8,4 Millimeter) kennt. Neben dem "Rococo Pearl"-Design auf der Rückseite sticht vor allem das neue Kameramodul des 200 Gramm schweren Smartphones ins Auge. Dieses zeigt sich ebenso ungewöhnlich. Ein klassisches, rechteckiges Modul, das leicht aus der Rückseite hervorsteht, wird von einer riesigen, umrandeten Kameralinse für die Hauptkamera durchbrochen.

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    Schon beim Design schlägt das Huawei P60 Pro ganz neue, schicke Wege ein. In Österreich werden zwei Farb-Varianten erscheinen. Eine davon zeigt sich in...
    Schon beim Design schlägt das Huawei P60 Pro ganz neue, schicke Wege ein. In Österreich werden zwei Farb-Varianten erscheinen. Eine davon zeigt sich in...
    Rene Findenig

    Der kleine, runde Sensor links oben im Modul beherbergt wiederum die Ultraweitwinkelkamera, eine etwas ovalere Ringform unten links im Modul die Telefoto-Kamera. Außerdem sind noch der LED-Blitz und der neue "XMAGE"-Schriftzug im Modul zu finden. Huawei bricht dabei mit den meist symmetrisch angeordneten Kamerasensoren, das neue Design gefällt aber gut. Insgesamt gilt für die Rückseite: Während die Konkurrenz immer neue Farben testet, schafft Huawei mit dem P60 Pro in "Rococo Pearl" das geschmackvollste und hochwertigste Design eines Smartphones seit langer Zeit. Da können gerade mal die neueren Xiaomi-Ultra-Modelle und das ebenfalls neue Vivo X90 Pro mit ihren Leder-Designs auf der Rückseite mithalten. 

    OLED-Display lässt keinerlei Wünsche offen

    Mit viel Fantasie könnte das Kameramodul übrigens einen Panda darstellen, ein Fun Fact am Rande. So gut geschützt wie die Rückseite ist auch das Display, hier kommt Huaweis hauseigenes Kunlun Glass zum Einsatz, das bei Strapazierfähigkeit und Kratzbeständigkeit dem Schutz von Gorilla Glass um nichts nachzustehen scheint. Zusätzlich überzieht Huawei den Bildschirm mit einer sehr dünnen, kaum sichtbaren Schutzfolie. Das große 6,67-Zoll-LTPO-OLED-Display (Low temperature polycrystalline oxide, Niedertemperatur-polykristallines Oxid – macht variable Bildwiederholraten möglich) zeigt sehr dünne Bildschirmränder, das Display reagiert dabei auch bei Berührungen der gewölbten Bildschirmränder präzise und zuverlässig. 

    Das kleine Punch-hole oben mittig beherbergt die Selfie-Kamera samt schmalen, schwarzen Rahmen, unten mittig ist unsichtbar unter dem Glas wieder der blitzschnell reagierende Fingerabdrucksensor verbaut. Zusätzlich kann das P60 Pro natürlich wieder per PIN oder Gesichtserkennung entsperrt werden – und neu nun auch erkennen, wenn der Nutzer oder die Nutzerin eine Schutzmaske über Mund und Nase trägt. Das im Vergleich zum Vorgänger um 0,1 Zoll gewachsene Display hat seine Stärken beibehalten und sogar etwas ausgebaut. Die Bildwiederholrate beträgt erneut bis zu 120 Hertz und kann automatisch variabel an die Nutzung angepasst werden, die Auflösung liegt bei gestochen scharfen 1.220 x 2.700 Pixeln. 

    Nun Snapdragon- statt hauseigener Kirin-Prozessor

    Wieder kann der Bildschirm über einer Milliarde Farben darstellen – auch Dynamikumfang, Kontraste, Helligkeit und Schärfe beeindrucken. Wie das Display gehört auch die Verarbeitung erneut zu den besten am Markt. Das Smartphone ist mit der allerhöchsten Schutzklasse IP68 staubdicht und gegen dauerndes Untertauchen abgesichert. Auch beim Lieferumfang geizt Huawei nicht, neben einem USB-C-Ladekabel liegt auch das 88-Watt-Ladegerät und eine Silikon-Schutzhülle im Karton. Eine technische Neuerung im Vergleich zum Vorgänger gibt es zusätzlich: Satellitenkommunikation ist wie schon beim Mate 50 Pro, mit dem Huawei Apple zuvorgekommen war, möglich. Diese ist allerdings vorerst nur am chinesischen Markt möglich.

    Im Rahmen des Smartphones ist die bisherige Besetzung ident geblieben: Einen USB-C-3.1-Port gibt es ebenso wie die Stereo-Lautsprecher, außerdem sind wieder der Dual-SIM-Schacht samt Speichererweiterungsmöglichkeit, die Lautstärke-Wippe und der Power-Button an ihren gewohnten Plätzen zu finden. Beim Innenleben wurden der Prozessor erneuert, der Akku vergrößert und die Ladung beschleunigt. Da kommt es auch zu Überraschungen: Statt eines hauseigenen Kirin-Chips setzt Huawei nun auf einen Snapdragon 8+ Gen 1 Prozessor, Flaggschiff-Konkurrenten wie das neue Xiaomi 13 Pro oder das Samsung Galaxy S23 Ultra sind schon eine Chip-Generation weiter. Und bieten auch mehr als die acht GB Arbeitsspeicher.

    Im Alltag wenig bis keine Tempo-Bremsen bemerkbar

    Macht dies das P60 Pro deutlich langsamer als die anderen Flaggschiffe? In der Praxis lässt sich das nicht bestätigen, weder beim Arbeiten, noch beim Streamen oder Gamen gibt es Ruckler oder Wartezeiten. Also muss der Test per Benchmark-Apps her. Und da zeigt sich, dass das P60 Pro nicht ganz auf Höhe der Konkurrenten ist, das fast perfekt abgestimmte EMUI-Betriebssystem den Leistungsunterschied aber zumindest etwas schmälert. 11.706 Punkte erreicht das Huawei P60 Pro im Benchmark-Test Work 3.0 von PCMark – das Samsung Galaxy S23 Ultra etwa erreicht 15.879 Punkte. Beim Gaming-Test Wild Life Extreme von 3DMark steht das P60 Pro bei knapp unter 2.800 Punkten, das Galaxy bei etwas über 3.700 Punkten.

    Dennoch wird man im Alltag keinerlei Unterschiede zu anderen Flaggschiffen merken – das käme nur vor, wenn man ständig die maximale Leistung des Smartphones etwa als PC-Ersatz ausreizen würde. Auch beim Gaming gibt es nichts auszusetzen: "Call of Duty Mobile" beispielsweise läuft mit den maximalen Grafikeinstellungen und der maximalen Bildrate bei superflüssigen und konstanten 60 Bildern pro Sekunde. Als interner Speicher werden dicke 256 GB aufgeboten, außerdem lässt sich der Speicher auch wieder per Kartenslot erweitern, wenn man auf einen der beiden SIM-Plätze verzichtet. Als Betriebssystem beziehungsweise Benutzeroberfläche kommt EMUI 13.1 zum Einsatz, dazu später noch mehr.

    XMAGE-Kamera lässt andere Smartphones erblassen

    Die XMAGE-Kamera des Huawei P60 Pro ist eindeutig das Herzstück des Smartphones. Huawei hat dazu die bisherigen Setups überdacht und sorgt wieder für ausgezeichnet abgestimmte Sensoren, statt mit nur einer Linse auf Megapixel-Rekordjagd zu gehen. So knipst hier nicht nur die Hauptkamera, sondern alle drei Sensoren fantastische Bilder. Huawei hat dazu eine 48 MP "Ultra Lighting Camera", eine 48 MP Telefoto-Kamera und eine 13 MP Ultraweitwinkel-Kamera kombiniert. Dabei gibt es gleich mehrere spektakuläre Besonderheiten wie eine physische Blende in der Hauptkamera in zehn Stufen von oder f/1.4 bis f/4.0, optische Bildstabilisierung mit Ausnahme des Ultraweitwinkels und einen 3,5fachen, optischen Zoom.

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      Nahaufnahmen in nie dagewesener Qualität. Mit Makrofotos haben selbst Handy-Flaggschiffe ihre Mühe, die Kamera des Huawei P60 Pro meistert sie mit Leichtigkeit.
      Nahaufnahmen in nie dagewesener Qualität. Mit Makrofotos haben selbst Handy-Flaggschiffe ihre Mühe, die Kamera des Huawei P60 Pro meistert sie mit Leichtigkeit.
      Rene Findenig

      Darüber wird bis zur Zoomstufe 10 hybrid als Mix aus optischer und digitaler Vergrößerung geknipst, noch einmal darüber kann die Kamera digital bis zur 100fachen Stufe zoomen. 4K-Videoaufnahmen sind mit 60 Bildern pro Sekunde möglich – übrigens auch mit der 13-MP-Selfiekamera auf der Vorderseite. Bemerkbar sind in der Praxis gleich eine ganze Reihe von Verbesserungen. Das hauseigene "Fusion Pro"-Bildgebungssystem sorgt für bessere und super stabilisierte Foto- und Videoaufnahmen auch in schlechten Lichtverhältnissen, neue Algorithmen für schärfere Zoom-Fotos und eine "Textur-Engine" ermöglicht auch bisher unbekannte Details in Fotos – etwa die feinen Adern eines Pflanzenblatts in Makrobildern.

      Dynamik, Blende und Zoom als große Stärken

      Das XMAGE-Kamerasystem des Huawei P60 Pro zeigt sich im Test vor allem deshalb allen anderen aktuellen Smartphones mal mehr, mal weniger deutlich überlegen, weil es nicht nur extrem beeindruckende Aufnahmen mit der Hauptlinse knipst, sondern mit allen drei Kameras. Fotos sowohl im Tages- als auch im Dämmerlicht liefern eine unglaubliche Schärfe und einen fantastischen Dynamikbereich, Details und Farben sind beeindruckend. Probiert man sich durch die Kamera-Modi, will der erstklassige Eindruck einfach nicht enden. Nahaufnahmen in nie dagewesener Qualität! Mit Makrofotos haben selbst Handy-Flaggschiffe ihre Mühe, die Kamera des Huawei P60 Pro meistert sie mit Leichtigkeit, etwa bei Fotos von Blattadern.

      Gewaltiges Spiel mit der physischen (!) und digitalen Blende der neuen Kamera! Bei Motiven lässt sich der Schärfe-Fokus und der Unschärfe-Effekt so präzise wie nie steuern. Zoom-Aufnahmen sind nicht länger eine Spielerei! Bis zum 10fach-Zoom wird man auch nachts kaum Qualitätsverluste feststellen, Mondfotografie per Stativ liefert sogar noch bis zum 30fachen Zoom saubere Ergebnisse – nur beim 100fach-Zoom zeigt sich dann die Grenze der technischen Möglichkeiten. Fast bizarr ist, dass selbst die Ultraweitwinkelkamera natürliche und scharfe Fotos abliefert, die dann die "schlechtesten" des Handys sind. Porträt gefällig? Riesiger Dynamikumfang, exakte Konturerkennung und das Spiel mit der Blende sind die Highlights.

      Google-Dienste sind möglich – mit etwas Aufwand

      Die Kamera des Huawei P60 Pro ist ein ausgezeichneter Allrounder – will man Highlights nennen, wären das die neuen Möglichkeiten der Blende, die fantastischen Nachtaufnahmen und die ungeahnten Zoom-Qualitäten bei Tag und Nacht. Voll auskosten kann man diese Qualitäten im Pro-Modus mit manuellen Einstellungen, doch Anfänger müssen sich nicht sorgen – der vollautomatisierte Standard-Modus zeigt sich super auf alle möglichen Motive und Lichtverhältnisse abgestimmt. Bleibt eine andere Frage: Hat sich nach dem Aus für Google-Apps etwas getan? Google Mobile Services (GMS) gibt es weiter nicht auf den neuen Huawei-Smartphones, dafür wieder Huawei Mobile Services (HMS) und die hauseigene AppGallery.

      Gewaltiges Spiel mit der physischen (!) und digitalen Blende: Drei Mal das gleiche Motiv, aber jeweils mit einem anderen Fokus. Atemberaubend!
      Gewaltiges Spiel mit der physischen (!) und digitalen Blende: Drei Mal das gleiche Motiv, aber jeweils mit einem anderen Fokus. Atemberaubend!
      Rene Findenig
      Und natürlich der obligatorische Schnappschuss vom Mond – in 10facher, 20facher und 30facher Zoomstufe.
      Und natürlich der obligatorische Schnappschuss vom Mond – in 10facher, 20facher und 30facher Zoomstufe.
      Rene Findenig

      Das heißt allerdings nicht, dass Google-Anwendungen am P60 Pro nicht laufen. Der Dienst Petal Search beispielsweise findet und installiert Apps, die nicht in der AppGallery sind. Neu ist aber eine Lösung namens GBox, die selbst Google-Dienste auf dem Huawei P60 Pro laufen lässt – indem sie ein virtuelles Gerät mit Google-Unterstützung am Smartphone einrichtet. Im Gegensatz zu GSpace funktioniert das nun bei GBox ohne Werbung und im Test auch komplett problemlos. Selbst der Google Play Store läuft dann, ebenso wie Google Fotos, GMail, Google Maps und Co. Weiter gilt aber: Updates muss man manuell einspielen und die Einrichtung dauert natürlich einige Zeit, denn automatisiert gibt's den Google-Zugang weiter nicht.

      Huawei P60 Pro verbessert die Stärken des Vorgängers

      Doch weiter bei der Hardware: Die Stereolautsprecher des P60 Pro klingen auch in hoher Lautstärke klar und voluminös, neuste Technik ist mit Wi-Fi 6, NFC, Bluetooth 5.2 oder Infrarot-Port vorhanden und der 4.815-Milliamperestunden-Akku zeigt sich nun als Dauerläufer. 16 Stunden und 15 Minuten hielt der Akku im Benchmark-Test Work 3.0 von PCMark durch, 2,5 Stunden mehr als etwa das Samsung Galaxy S23 Ultra. Das reicht locker für zwei tage! Dafür geht es bei der Ladung per USB-C-Kabel mit 88 Watt etwas weniger blitzartig als bei den Konkurrenten beispielsweise von Xiaomi oder Vivo mit 120 Watt (aber noch immer weit schneller als bei Samsung) zu. 10 Minuten Ladung bringen 50 Prozent Akku, es geht also sehr flott.

      Zusätzlich kann das P60 Pro mit 50 Watt kabellos geladen werden. Begnügen muss man sich allerdings mit 4G, denn 5G kann das Huawei-Smartphone auch weiterhin nicht. Und was soll es kosten? In Österreich schickt Huawei das P60 Pro ab 17. Mai um 1.199 Euro in den Verkauf – wer es sich bei teilnehmenden Händlern holt, bekommt im Rahmen einer Bundle-Aktion eine Huawei Watch GT3 kostenlos dazu. Das Huawei P60 Pro verbessert die Stärken des Vorgängers noch weiter, bietet eine exzellente Kameraleistung, mit der aktuell kein anderes Smartphone mithalten kann, und verbindet eine ausdauernde Akku-Laufzeit mit einer ordentlichen Leistung sowie einem sehr schicken Design, das es so am Markt bisher nicht zu sehen gab.