Welt

Hunderttausende Illegale sollen jetzt die Ernten retten

Heute Redaktion
13.09.2021, 13:43

Auf den italienischen Feldern und Plantagen reift die Ernte, bald muss sie eingebracht werden. Doch es fehlen 250.000 Helfer. Illegale Einwanderer sollen nun das Gemüse retten.

Wer unbemerkt nach Italien kommt, nicht registriert wird oder der Abschiebung entgeht, befindet sich nach dem Gesetz illegal im Land. Die Zahl der sogenannten "Unsichtbaren" in unserem Nachbarstaat wird laut "Euronews" auf mehr als 600.000 geschätzt.

Seit Beginn der Coronakrise wird auch die Situation dieser illegalen Migranten immer prekärer. Viele von ihnen arbeiten bereits unangemeldet, etwa als Erntehelfer in der Landwirtschaft. Dabei stehen sie oft unter der Kontrolle des organisierten Verbrechens.

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Notlage in der Landwirtschaft

Wegen der Grenzschließungen in Folge der Pandemie könnte aber nun Italien auf genau diese Arbeitskräfte angewiesen sein, wie "Euronews" weiter berichtet. 250.000 Erntehelfer fehlen derzeit, ohne sie drohen Obst und Gemüse auf den Feldern zu verrotten.

Geht es nach Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova, sollen nun die "Unsichtbaren" die italienische Ernte retten. Dazu sollen die illegalen Einwanderer legalisiert werden.

"Zusammen mit den anderen Ministern versuchen wir, eine Lösung zu finden, um der Notlage in der Ernte beizukommen. Wir riskieren, keine italienischen Produkte mehr verkaufen zu können", wird Innenminister Luciana Lamorgese zu dem Problem zitiert, das jetzt auch das Parlament beschäftigt.

Lebenssituation kritisch

In Castel Volturno bei Neapel beispielsweise haben sich die "Unsichtbaren" angesiedelt. Mittlerweile sind es rund 20.000 von ihnen, die den 27.000 gemeldeten Einwohnern der Stadt gegenüber stehen – und auch diese Migranten dürfen ihre beengten Unterkünfte in Zeiten der Corona-Sperren nicht verlassen.

"Wir haben hier viele Probleme, nicht nur der fehlende Strom. Es gibt kein fließendes Wasser, wir haben keine Papiere und nichts zu essen", schildert Jimmy Donko aus Ghana dem Nachrichtenportal. Zwar bringen Freiwillige Nahrungsmittel vorbei, doch es sind bei Weitem nicht genug für alle.

Aus dem Schatten

Bellanovas Vorstoß könnte Schätzungen von Experten zufolge nicht nur 1,2 Milliarden Euro in die Staatskassen an Steuergeldern einspülen, sondern auch den "Unsichtbaren" helfen, tatsächlich ein Teil der italienischen Gesellschaft zu werden. Die Legalisierung von Erntehelfern könnte bereits in den nächsten Tagen als Teil eines ganzen Gesetzespakets zum Schutze der Wirtschaft das Parlament passieren.

Göttlichen Beistand auf Erden erhält die italienische Regierung dabei auch aus dem Vatikan. Papst Franziskus setzt sich ebenfalls für eine Legalisierung der zahlreichen Migranten ein.