Salzburg

Hungriger Wurst-Dieb erhält vier Jahre Haft

Die Salzburger Richterin wollte ein Exempel setzen und verurteilte den hungrigen Tankstellenräuber (21) zu vier Jahren Haft.

Leo Stempfl
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Symbolbild
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(Bild: kein Anbieter/Zeitungsfoto.at/team)

Der 21 Jahre alte Österreicher aus dem Salzburger Flachgau war seit Februar arbeitslos. Seine finanzielle Lage verschlechterte sich zunehmend, über eine Woche lang hatte er laut seinem Anwalt nichts mehr zum Essen zu Hause. Am 22. Juli begab er sich deswegen mit einer Schreckschusspistole zu einer Tankstelle in Eugendorf.

Dort nahm der Unmaskierte drei Lebensmittel aus dem Regal: ein Molkegetränk, einen Brotaufstrich und Wurst. Mit den Artikeln ging er seelenruhig zur Kassa. Während der 55-jährige Angestellte die Produkte scannte, zog er seine Schreckschusspistole und forderte alle 50- und 100-Euro-Scheine ein.

Mit der Sättigung die Vernunft

Nach dem Verlassen der Tankstelle ging er mit den erbeuteten Lebensmitteln und 520 Euro zu einem nahegelegenen Parkplatz. "Er hat den Überfall gemacht, weil er einfach Hunger und Durst hatte. Es ging ihm nicht darum, jemanden zu erschrecken oder Geld zu erbeuten. Er hat tatsächlich etwas zu essen gebraucht", so sein Anwalt bei der Gerichtsverhandlung.

Der Räuber beobachtet, wie ein Streifenwagen bei der Tankstelle vorfährt. Daraufhin wählt er selbst den Notruf, gibt seinen Standort preis, lässt sich widerstandslos festnehmen, gesteht alles und gibt das Geld zurück. Die Pistole hatte er rund ein Jahr zuvor gekauft.

Zeichen setzen

Der Prozess erfolgte am Dienstag in Salzburg, doch die Richterin ließ sich vom umfassend geständigen, jungen Flachgauer nicht erweichen. Der Strafrahmen für den Tankstellenüberfall würde gar bis auf 15 Jahre reichen. Weil es in letzter Zeit immer öfter Überfälle auf Tankstellen gäbe, müsse man hier ein strenges Zeichen setzen.

Das Urteil auf vier Jahre Haft ist noch nicht rechtskräftig, da die Staatsanwältin noch überlegt, für eine strengere Strafe in Berufung zu gehen. Auch Verteidiger Michael Berger-Wiegele überlegt noch, ob das Anstreben eines milderen Urteils aussichtsreich ist.