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"Ich drehe jeden Cent um und stelle Wünsche hinten an"

Auf Tiktok berichten junge Mamis von ihrem Alltag. Michelle aus St. Gallen ist eine von ihnen und spricht über die Herausforderungen.
29.08.2023, 11:56
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Auf Social Media berichten mehrere junge Schweizerinnen von ihren Erfahrungen und Herausforderungen als alleinerziehende Mütter. Eine davon ist die 23-jährige Michelle. Mit ihren Videos zu günstigen, kinderfreundlichen Rezepten und kostenlosen Ausflugszielen erreicht die St. Gallerin Tausende Userinnen und User.

"Ich wurde mit 18 Jahren zum ersten Mal Mami. Damals war ich noch in der Ausbildung", erzählt Michelle gegenüber "20 Minuten". Von dem Vater ihrer Tochter Elaia habe sie sich vor der Geburt getrennt. Zu Beginn hätten sie ihre Eltern noch finanziell unterstützt, doch nachdem sie die Lehrausbildung abschloss, war sie auf sich alleine gestellt. Als sie mit 22 Jahren ihr zweites Kind bekam, spitzte sich ihre finanzielle Situation zu.

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"Alimente reichen hinten und vorne nicht" 

Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet die 23-Jährige drei Tage die Woche als Kinderbetreuerin. An zwei dieser Tage besuchen ihre Tochter und ihr Sohn eine Kita. "Ich muss arbeiten. Die Alimente, die ich von den Vätern meiner Kinder erhalte, reichen hinten und vorne nicht aus." Auch mit ihrem eigenen Lohn komme sie nur knapp über die Runden. Trotz Subventionen zahle sie alleine für die Kita rund 1.000 Euro im Monat.

Um Geld zu sparen, kaufe sie Windeln oder Pflegeprodukte in Deutschland ein. Teure Ausflüge und Ferien liegen nicht drin, ebenso wenig ein dringend benötigtes neues Bett oder Fahrstunden. "Für solche Dinge reicht das Geld einfach nicht aus. Ich drehe jeden Rappen um und stelle meine eigenen Wünsche hinten an", sagt Michelle. Trotzdem blickt die junge Mutter positiv in die Zukunft: "Ich bin bereit, die Aufgabe alleine zu meistern und daran jeden Tag zu wachsen."

"Vorwürfe machen mir zu schaffen"

Auch andere junge Mamis kennen diese Herausforderungen. Melissa (21) aus dem Kanton Aargau wurde mit 19 Jahren Mutter. Als Alleinerziehende sei es für sie am schwierigsten, alles unter einen Hut zu bringen: "Jeder Tag muss klar durchgeplant sein. Dabei richtet sich alles nach den Bedürfnissen meiner Tochter", sagt Melissa.

Als alleinerziehendes Mami habe sie deshalb nie eine Pause: "Ich kann mich nicht mit einem Partner abwechseln, um meine Tochter in der Kita abzuholen, zu kochen, sie ins Bett zu bringen oder um den Haushalt zu machen. Wenn man dazu noch arbeitstätig ist, kann das schon sehr anstrengend sein."

Auch Blicke und Sprüche von Fremden bereiten der jungen Mutter teils Schwierigkeiten. "Vorurteile und teils auch Vorwürfe, dass ich mich in meinem Alter nicht richtig um meine Tochter kümmern und ihr nichts bieten kann, machen mir zu schaffen", sagt Melissa. Sie betont: "Ich bin eine gute Mami und mit der Unterstützung meiner Familie komme ich gut durch."

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