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Wienerin: "Ich hatte Angst!" - fürchten sich Frauen?

Der Mord an der 33-jährigen Sarah Everard aus Südengland steckt uns bewusst oder unbewusst noch in den Knochen. Doch muss man sich als Frau fürchten?

Christine Kaltenecker
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Alles übertrieben, oder müssen sich Frauen tatsächlich alleine fürchten?
Alles übertrieben, oder müssen sich Frauen tatsächlich alleine fürchten?
Getty Images/iStockphoto

In vierlerlei Hinsicht haben Frauen die Männer überflügelt. Vor allem in Mitteleuropa trägt die Emanzipation Früchte und es gibt praktisch nichts, was eine Frau nicht kann. Frauen leben auch statistisch gesehen länger und sind oftmals wesentlich zäher als Männer. Das schwache Geschlecht? Denkste! Der Vorfall von der 33-jährigen Sarah Everard aus Südengland stimmt dennoch nachdenklich. Heute.Online sprach mit einer 31-jährigen Wienerin.

Gürtelbogen rauf und runter

Die Multi-Kulti-Stadt Wien war immer Ziel, der in der Steiermark geborenen Melissa. Als Kind vom Land zog es sie bereits nach dem Gymnasium in die Bundeshauptstadt zum Studieren. In ihren 20ern war sie fasziniert von der Wiener Diversität und den Clubs. "Mehrmals die Woche ging ich in die Clubs des Gürtelbogens, oder in den Volksgarten und machte mich erst beim Sonnenaufgang auf den Heimweg", so Melissa. Angst hatte sie dabei nie. "Ich fühlte mich nie unsicher in Wien. Klar, es kam einmal vor, dass dir ein Betrunkener hinterher rief, aber das war es dann auch".

Ein ungutes Gefühl

Ein Vorfall jedoch änderte alles. Sie besuchte vor ein paar Jahren an einem Donnerstag den Live-Musik Club "Loop" im 8. Bezirk. "Ich hatte es einer befreundeten Band versprochen", sagt sie. Wohlwissend, dass sie keinen Alkohol trinken würde, fuhr sie mit dem Auto und parkte unweit des Clubs am Gürtel. "Der Abend war lustig, aber ich war müde und verabschiedete mich gegen ein Uhr morgens". Mit ihrer Tasche unter dem Arm verließ sie das "Loop" und ging in Richtung U-Bahn Station, um den Gürtel zu überqueren. "Im Augenwinkel sah ich plötzlich zwei Männer hinter mir. Einen links und einen rechts im Abstand von ungefähr fünf Metern", erzählt sie und schilderte, dass sie plötzlich ein ungutes Gefühl bekam und instinktiv die Tasche fester hielt und schon beim Gehen ihren Autoschlüssel suchte.

Alles nur Zufall?

Die Männer folgten ihr mit Abstand. "Ich versuchte mir einzureden, dass die gar nichts von mir wollten und das alles bloß Zufall sei. Erst als ich beschleunigte und merkte, dass auch die Schritte der Männer größer wurden, fing ich an zu laufen!" Melissa drückte die Fernbedienung ihres Autos und sah das Blinken der Scheinwerfer. "Als ich die Tür aufriss und ins Auto sprang, war einer der Männer schon an der Heckscheibe. Ich knallte die Tür zu und verschloss von innen", so Melissa. Die Männer grinsten kurz durch die Scheibe und wandten sich ab.

Das erste Mal richtig Angst

Ob die Männer wirklich Böses im Sinn hatten, wird Melissa nie erfahren, aber seither bittet sie immer einen Freund oder Bekannten, sie zum Auto zu begleiten. "Mein Herz klopfte wie verrückt und eigentlich war ja gar nichts passiert, aber das war das erste Mal, wo ich wirklich Angst hatte und mir meine körperliche Unterlegenheit bewusst wurde." 

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