"Ich suchte 19 Jahre nach meiner leiblichen Mutter"

Marlene beim Treffen mit ihrer Familie: Adoptivmama, Leiblicher Vater, Marlene, Adoptivpapa, Leibliche Mama, Leibliche Schwester, Leiblicher Bruder (von links nach rechts)
Marlene beim Treffen mit ihrer Familie: Adoptivmama, Leiblicher Vater, Marlene, Adoptivpapa, Leibliche Mama, Leibliche Schwester, Leiblicher Bruder (von links nach rechts)Bild: CK_Fotografie
Als Baby wurde Marlene F. (28) in Wien zur Adoption freigegeben. Seitdem sie neun Jahre alt war, suchte sie unermüdlich nach ihren leiblichen Eltern – die sie jetzt endlich wiederfand.
Marlenes leibliche Mama ist noch sehr jung – die Verhältnisse, in denen die schwangere Wienerin lebt, sind schwierig. Drei Mal verschiebt die werdende Mutter die Adoptionsfreigabe ihrer kleinen Tochter, erst beim vierten Mal unterschreibt sie die Papiere, gibt den Säugling nach der Geburt weg.

Alles, was Marlenes Eltern als Erinnerung an die Tochter bleibt, ist ein Foto, das eine Krankenschwester der Mutter nach der Geburt zusteckte. Ein Foto, an das sich die Eltern in den kommenden 28 Jahren immer wieder klammern.

"Ich bin nicht böse, dass sie mich weggab" – Marlene F. (28)


CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Indes kommt Marlene im Alter von sechs Tagen zu ihren Adoptiveltern, wächst gemeinsam mit einem Bruder, der ebenfalls von der Familie adoptiert wurde, behütet nahe Baden (NÖ) auf. Als Marlene die Volksschule besucht, tun ihre Adoptiveltern das Richtige: Sie sagen ihrem Kind, dass es adoptiert wurde. Das Mädchen nimmt das gelassen zur Kenntnis, beschließt aber im Alter von 9 Jahren, die leiblichen Eltern zu suchen: "Ich wollte wissen, wer mich zur Welt gebracht hat", so Marlene gegenüber "Heute". "Weiters fand ich es toll, jetzt zwei Mütter zu haben."

Unterstützung bei der Suche bekommt Marlene von ihren Adoptiveltern, die nicht eine Minute zögern: "Wir wollen nur, dass unser Kind glücklich ist." Doch die Suche gestaltet sich mehr als schwierig: Die zuständigen Stellen geben keine Infos heraus, da es sich um eine geschlossene Adoption gehandelt hat. Alles, was die Familie weiß, ist der Name der leiblichen Mutter. "Wir haben es immer wieder probiert, sind aber jedes Mal gescheitert", so Marlene.



Vergangene Woche startet die junge Frau einen letzten Aufruf auf Facebook – dann ein erster Hoffnungsschimmer. Eine Unbekannte postet: "Marlene, ich weiß, wer deine Mama ist." Zehn Stunden später passiert das lang ersehnte Wunder: Marlene erhält eine Sprachnachricht. Eine Stimme sagt: "Hallo Marlene, ich bin deine leibliche Mama."

Mutter und Tochter konnten sich vorletzten Sonntag das erste Mal in die Arme schließen, beim Treffen war auch Marlenes leiblicher Vater dabei. "Meine Mama hat mich sofort erkannt. Beide haben mich gedrückt und abgebusselt, es war perfekt und wunderschön", beschreibt Marlene den für sie ganz besonderen Moment, auf den sie lange gewartet hatte. "Jetzt weiß ich auch, woher ich meinen Lacher habe, meine Mama lacht genau so wie ich."



Beim Treffen erfährt Marlene auch, dass sie noch vier Geschwister hat – und dass auch ihre leiblichen Eltern nach ihr gesucht haben. Groll gegenüber den leiblichen Eltern, weil diese sie weggaben, hegt die gelernte Bürokauffrau, die mittlerweile im Osten Niederösterreichs lebt, nicht: "Ich bin ihnen dankbar und ich liebe sie. Es war das Beste, was sie in ihrer Situation tun konnten. Sie haben mir so eine bessere Zukunft mit liebevollen Eltern, die für mich auch immer meine Eltern bleiben, ermöglicht."

Die Zukunft will die Großfamilie jetzt gemeinsam bestreiten. Mit ihrer Geschichte geht Marlene an die Öffentlichkeit, um anderen Mut zu machen: "Ich suchte 19 Jahre lang nach meiner Mutter. Meine Story zeigt: Egal was passiert, es lohnt sich, immer wieder aufzustehen, nie aufzugeben. Wenn man fest daran glaubt, gibt es auch ein Happy End." (isa)

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