Ideen fürs "stille Örtchen" sollen Welt verbessern

Das Ö-Klo im Karl-Farkas-Park in Wien-Neubau. (c) Lesereporter
Das Ö-Klo im Karl-Farkas-Park in Wien-Neubau. (c) LesereporterBild: zVg
Über 40% der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu Sanitäranlagen, der heutige Welttoilettentag erinnert daran. Mit innovativen Ideen wollen Wiener Firmen das ändern.
Im Jahr 2001 wurde der Welttoilettentag erstmals ausgerufen. Seitdem finden jedes Jahr am 19. November Aktionen statt, die darauf aufmerksam machen wollen, dass WC-Anlagen in vielen Teilen der Welt keine Selbstverständlichkeit sind. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen (mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung) keinen Zugang zu Sanitärversorgung – mit schweren gesundheitlichen Folgen. Gleich mehrere Wiener Firmen treten an, um die Welt mit ihren Ideen zum Thema Toiletten besser zu machen.

Plumpsklo mit Holzspänen statt Wasserspülung



Die Wiener Firma "Ö-Klo" hat das altbekannte Plumps-Klo neuentdeckt und zu einem ökologischem "Holz-Häusl" weiterentwickelt. Im Zentrum steht die Nachhaltigkeit: Das Ö-Klo besteht aus Holzplatten zusammengebaut, ein Rost trennt Fest- von Flüssigstoffen, die so getrennt kompostiert werden können.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Geschäftsführer Niko Bogianzidis (Mitte) und sein Team von "ÖKlo" erfinden das Plumpsklo neu



(Bild: Lydia Stöckl)

Die Mischung aus Mist und Sägespänen wird von Mikroorganismen zersetzt und in Humus verwandelt, der dann als Bodendünger verwendet werden kann. Eine Wasserspülung gibt es hier, stattdessen werden die Hinterlassenschaften mit Sägespänen zu gedeckt. Dadurch wird das im Unrat enthaltene Ammoniak aufgesogen, wodurch die Toilette völlig geruchsfrei ist.



Bei jedem Toilettengang Wasser sparen

"Pro Spülung werden so rund fünf Liter Trinkwasser gespart", erklärt Geschäftsführer Niko Bogianzidis. Weil das Ö-Klo schnell und aus nur wenigen Materialien aufgebaut werden kann und keinen Wasseranschluss oder Absaugwagen benötigt, wäre es auch gut in gerade jenen Regionen der Welt einsetzbar, wo Sanitäranlagen so dringend benötigt werden.

Hierzulande kommt die ökologische Alternative zu den mobilen Plastik-Klos bei Festivals oder Events zum Einsatz. In Wien stehen die Ö-Klos derzeit an sieben Standorten, etwa im Karl-Farkas-Park (Neubau), dem Meidlinger Weihnachtsmarkt oder Beim Bootshaus bei der Alten Donau (Donaustadt).

Start Up will aus Abwasser Trinkwasser machen

Der Problematik mit dem verschmutzten Wasser und den damit verbundenen gesundheitlichen Folgen widmet sich das Wiener Start Up-Unternehmen "Alchemia-Nova". Sie haben aus verschiedenen Pflanzenarten die grüne Kläranlage "vertECO"entwickelt, die verschmutztes Wasser durch mikrobiologische Aktivität in den Wurzeln der Pflanzen reinigt.

Das Abwasser fließt alleine durch die Schwerkraft gezogen durch mehrere vertikal angeordnete Becken und wird so gefiltert. Auf der untersten Ebene wird das saubere Wasser aufgefangen und kann wiederverwendet werden.

Modell eines autarken Urinals mit Pflanzenkläranlage (Studie für den Wiener Donaukanal)



(Bild: Eoos/Alchemia Nova)

Anwendung findet die grüne Kläranlage auch in einem Urinal, das von Alchemia Nova für den öffentlichen Raum entworfen wurde. Der Prototyp kann bis zu 250mal benützt werden, was einem Volumen von etwa 60 Litern Urin entspricht. Der Urin wird mit dem im System befindlichen Wasser vermengt und innerhalb von acht Wasserbecken auf vier Ebenen von speziellen Pflanzen aufbereitet. Das so gereinigte Wasser kann dann wieder zur Spülung der Urinale verwendet werden, das System funktioniert also im Kreislauf und ist unabhängig von Wasserzufuhr und -Abfluss.



"Das System ist frei von Chemie und recycelt Abwasser von Duschen, Bädern und Handwaschbecken so weit, dass damit ohne Bedenken Toiletten gespült, Gärten bewässert und Kleidung gewaschen werden kann", erklärt Alchemia Nova-Geschäftsführer Johannes Kisser. Derzeit arbeitet das Team von "Alchemia-Nova" daran, die Technologie so weit weiterzuentwickeln, dass in Zukunft schmutziges Wasser auch in Trinkwasser verwandelt werden kann.

Entwickelt wurde die pflanzliche Kläranlage im Keller einer Villa in Penzing, die auch als Firmenzentrale des Start-Ups fungiert. Interessant ist das System vor allem für Firmen, die einen großen Wasserverbrauch haben, wie Hotels und Camping-Plätze. Aber auch in Einkaufszentren und Industriebetrieben kann mithilfe der Pflanzen-Technologie ein attraktiver und sinnvoller Blickfang geschaffen werden. Bereits zum Einsatz kommt die "vertECO"-Fassade in Oberösterreich und einigen spanischen Hotels.

Penzinger Villa bekommt Wiens erste "vertECO"-Fassade

Großes Interesse an der grünen Lösung zeigen derzeit Firmen, die einen großen Wasserverbrauch aufweisen, wie Hotels und Camping-Plätze. Aber auch Einkaufszentren und Industriebetriebe wären mögliche Anwendungsgebiete. Neben dem ökologischen Nutzen bietet die Pflanzen-Wand auch ein ästhetisch ansprechendes, naturnahes Design, das einfach auf Häuser-Fassaden angebracht werden kann.

So auch auf der Zentrale in Baumgartenstrasse 93 (Penzing), wo in den nächsten Wochen die komplette Fassade der Villa von Alchemia Nova mit der Pflanzen-Kläranlage versehen wird. "Die grüne Mauer kann den Wasserverbrauch in einem Haus um 50 Prozent reduzieren und verschönert zudem mit ihrem Grün die Fassade. Unsere Zentrale soll das erste Haus in Österreich werden, das komplett nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft funktioniert", so Kisser.

Daneben hat das System auch positive Auswirkungen auf die Luftqualität, da die Pflanzen CO2 speichern und verarbeiten, Sauerstoff produzieren und dadurch die Luft reinigen. Dazu verbessert die grüne Fassade auch die Isolierung der Außenwände eines Hauses.

"Nachdem Österreich zuletzt den trockensten Sommer der jüngeren Geschichte erlebt hat, genießt das Thema nachhaltiges Wasser-Management im Moment besonders große Aufmerksamkeit. Und das nicht nur in südlichen Ländern, sondern zunehmend auch in der Politik und Wirtschaft Österreichs", erklärt Kisser. Mit der Entwicklung von "vertECO" will das Team von Alchemia-Nova seinen Beitrag leisten, um den Nutzungskreislauf von täglich benötigten Ressourcen, wie Wasser, zu schließen.

Pee Power – Strom aus Urin

Im Schnitt sucht jeder Erwachsene fünfmal am Tag eine Toilette auf. Doch in vielen Ländern ist ihre Installation nicht möglich, denn es fehlt an grundlegender Infrastruktur wie Kanalisation, Wasser und natürlich auch Strom. Genau hier setzt das Projekt "Pee Power" von Laufen Austria an. In Kooperation mit dem Wiener Designstudio Eoos und dem Bristol Robotics Lab der University of West England haben sie ein System entwickelt, dass Urin in Strom verwandelt.

Das Abwasser wird vorgereinigt, gefährliche Pathogene (für Menschen gefährliche Mikroorganismen, Anm.) abgebaut. Danach umspült der Urin Brennstoffzellen, die jeweils aus einem keramischen Zylinder sowie zwei Kohlenstoffelektroden bestehen. Jede Baueinheit besteht aus 22 Brennstoffzellen, in denen Mikroorganismen Elektronen im Urin abspalten. Der so erzeugte Strom wird durch eine elektronische Schaltung in einem Akku gespeichert. Aus den 22 Brennstoffzellen kann genug Energie gewonnen werden, dass eine LED Lampe mit acht Watt (entspricht einer Glühbirne mit 60 Watt) 30 Minuten leuchtet.

Ausstellung "Liquid Gold" im Kunst Haus Wien

Anlässlich des Welttoilettentags findet noch bis 13. Jänner die Ausstellung "Liquid Gold" im Kunsthaus Wien statt. Darin sind innovative Lösungen zum Thema Toilette oder Wasserreinigungsysteme zu sehen. Ausgestellt sind unter anderem die Pflanzen-Kläranlage "ecoVert" oder die, von der Bill und Melinda Gates Foundation ausgezeichnete Urin-Separationstoilette "Blue Diversion Toilet" des Wiener Designstudios EOOS.

(lok)

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