Nach etwas mehr als einem Jahr hat die Frauensprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Fatma Akay-Türker, unter anderem auf Twitter ihren Rücktritt bekannt gegeben. Im Interview mit dem "Standard" geht sie hart mit der IGGÖ ins Gericht.
Muslimische Frauen bekämen nicht genug Anerkennung und würden auf ihre traditionelle Rolle reduziert. "In der IGGÖ wurde die Abwertung der Frau institutionalisiert", so die promovierte Philosophin und islamische Religionslehrerin über die offizielle Vertretung der Muslime in Österreich.
"Die IGGÖ tut so, als gäbe es für muslimische Frauen nur das Kopftuchproblem", kritisiert Akay-Türker. Sie, die seit Jänner 2019 die Funktion der Frauenbeauftragten innehatte, habe bis jetzt nie als Frauensprecherin über Frauen in der Öffentlichkeit sprechen dürfen, sagt sie.
Sie habe das Amt der Frauensprecherin vergangenes Jahr übernommen, um Reformen anzustoßen, "weil muslimische Frauen unter sehr schweren Verhältnissen und einer Zwangstheologie in ihrer Entfaltung gehindert werden", sagt Akay-Türker.
"Die IGGÖ vertritt ein traditionelles Bild der traditionell islamischen Theologie, die wir unbedingt hinterfragen sollten, weil dieses Bild nicht der Botschaft des Korans entspricht", so die ehemalige Frauenbeauftragte. Anstatt hier wichtige Reformen anzugehen, habe die IGGÖ das traditionelle und abwertende Frauenbild institutionalisiert.
"Man hat leider eine männerdominierte Theologie entwickelt, die weder dem Koran noch dem gesunden Menschenverstand entspricht", wird sie im "Standard"-Interview zitiert. Ihr Ziel sei es gewesen, "den Koran von der Männerherrschaft zu befreien".
Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft hat sich am Dienstag in einer Presseaussendung zu Wort gemeldet. "Frau Akay-Türker hat Ende Mai in einer formlosen Email überraschend ihren Rücktritt als Frauensprecherin der IGGÖ bekanntgegeben, ohne jedoch ihre Beweggründe dafür näher auszuführen", heißt es darin.
"Die Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der muslimischen Gemeinschaft als auch ihrer eigenen Strukturen" sei der offiziellen Vertretung der Muslime in Österreich ein "dediziertes Anliegen", das man weiterhin anstreben werde.