Wien

Ihr Baby holte Wienerin Isabella aus der Drogenhölle

Isabella war jahrelang obdachlos und drogensüchtig – dann wurde sie schwanger. Für ihren Sohn wurde sie clean und krempelte ihr Leben komplett um.
17.11.2021, 18:01

Mutter Isabella (36) wohnt mit ihrem Sohn Dominik in einem von drei Mutter-Kind-Häusern (MuKi) in Wien (Namen von der Redaktion geändert). "Ich war acht Jahre obdachlos und drogenabhängig. Ich war überall und nirgends zuhause, habe nicht mal von Tag zu Tag, sondern nur von Schritt zu Schritt gelebt", schildert sie beim Besuch von "Heute". Mit der Schwangerschaft ihres ersten Kindes veränderte sich jedoch alles. "Ich habe mich entschieden, 100 Prozent zu geben, damit ich mein Kind behalten darf". Begleiter von Ärzten wurden bei Isabelle die Drogen langsam reduziert, ihr Sohn musste nach der Geburt dennoch sechs Wochen auf Entzug. Heute ist sie clean, ihr Sohn 14 Monate alt und gesund.

Ein Leben an der Armutsgrenze

Von der Kinder- und Jugendfürsorge lernte Isabella, wie sie ihr Baby richtig versorgt, bevor sie einen Platz im MuKi bekam. Nach dem Leben auf der Straße in ein geregeltes Leben zu finden, war für sie extrem schwer, "aber ich bin so dankbar, dass man mir die Chance gegeben hat zu beweisen, dass ich mich um mein Kind kümmern kann". Im MuKi lernte die junge Mutter sich und Sohn Dominik zu versorgen, Schulden abzubezahlen, rechtzeitig einkaufen zu gehen und Termine einzuhalten.

Die junge Mutter spart aktuell ihr weniges Geld, um sich irgendwann eine eigene Wohnung leisten zu können.
Sabine Hertel

Ohne diese Hilfe wäre Isabellas Erfolgsgeschichte wohl nicht möglich gewesen und auch trotz Unterstützung führt sie mit ihrem Sohn noch immer ein Leben an der Armutsgrenze. Um von Obdachlosigkeit bedrohten Frauen mit Kindern auch im kommenden Winter Hilfe anbieten zu können, ist man im MuKi auf Spenden angewiesen. Finanziert werden davon Notquartiere für akute Fälle, zum Beispiel, wenn Frauen vom Partner in der Nacht auf die Straße gesetzt werden. Dabei helfen können schon 20 Euro, die über den Online-Shop der Caritas gespendet werden können. 

Ein Drittel der Obdachlosen Frauen

Allein im letzten Jahr wandten sich 22.000 Frauen an Wiener Wohnungslosenhilfe. Damit sind ein Drittel der Obdachlosen Frauen, sie sind aber weniger sichtbar als Männer. Sie schlafen seltener auf Parkbänken, sondern pendeln von Couch zu Couch. "Männer sind nicht so schutzlos. Ich habe mich immer mit einer zweiten Frau zusammengetan, wenn ich bei einer Bekanntschaft geschlafen habe und auch auf der Straße, war ich nie allein. Das hat uns gegenseitig Sicherheit gegeben", erzählt Isabella.

"Habe überlegt, Schwangerschaft abzubrechen"

Im MuKi kann Isabella bis zu zwei Jahre bleiben, aktuell spart sie, um irgendwann in eine eigene Wohnung ziehen und diese einrichten zu können. "Während meiner Drogensucht, hatte ich kein Interesse an einem geregeltem Leben. Ich habe damals auch überlegt, die Schwangerschaft abzubrechen. Durch meinen Sohn habe ich aber eine 180-Grad-Wendung gemacht. Wenn mir das jemand vor Jahren gesagt hätte, ich hätte es nicht geglaubt", ist Isabella zu Recht stolz.

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