Mitarbeiter bespitzelt – Millionen-Strafe für Ikea

Weil Ikea in Frankreich hunderte Mitarbeiter über Jahre ausspionierte, hat ein Gericht den schwedischen Möbelkonzern wegen des "Sammelns persönlicher Daten mit betrügerischen Mitteln" schuldig gesprochen.
Weil Ikea in Frankreich hunderte Mitarbeiter über Jahre ausspionierte, hat ein Gericht den schwedischen Möbelkonzern wegen des "Sammelns persönlicher Daten mit betrügerischen Mitteln" schuldig gesprochen.ALEXANDRA WEY / Keystone / picturedesk.com
Das Möbelhaus spähte Mitarbeiter und Kunden aus. Mit dem Urteil ist der Fall aber keineswegs abgeschlossen.

Für das Ausspähen von Mitarbeitern und unzufriedenen Kunden muss das schwedische Möbelhaus Ikea in Frankreich mehr als eine Million Euro Strafe und Entschädigung zahlen. Das Gericht sprach am Dienstag zwei ehemalige Manager des Unternehmens schuldig und verurteilte sie zu Bewährungsstrafen. Von den anderen 13 Angeklagten wurden einige freigesprochen, andere erhielten ebenfalls Bewährung.

"Eine Million ist nicht viel für Ikea, aber es ist ein Symbol"

Die Richter am Gericht in Versailles befanden, dass die französische Ikea-Tochter zwischen 2009 und 2012 Spionage betrieben habe, um unliebsame Mitarbeiter auszuforschen und Profile von verdrossenen Kunden zu erstellen. Gewerkschaften warfen Ikea Frankreich vor, personenbezogene Daten auf betrügerische Weise gesammelt zu haben, insbesondere über illegal beschaffte Polizeiakten, und personenbezogene Informationen unerlaubt weitergegeben zu haben. Anwälte des Unternehmens bestritten, dass das Unternehmen irgendeine Strategie der «allgemeinen Spionage» verfolgte.

Adel Amara, ein ehemaliger Ikea-Mitarbeiter, der half, das Vorgehen aufzudecken, nannte das Urteil einen großen Schritt zur Verteidigung der Bürger. «Es macht mich froh, dass es in Frankreich Gerechtigkeit gibt», erklärte er. Eine Anwältin der Gewerkschaften, Solène Debarre, äußerte die Hoffnung, dass das Urteil «einige Unternehmen zum Zittern bringen wird». "Eine Million ist nicht viel für Ikea, aber es ist ein Symbol", erklärte Debarre.

Dem Unternehmen, das bei den Ermittlungen kooperierte, drohte eine Strafe von bis zu 3,75 Millionen Euro. Staatsanwältin Pamela Tabardel forderte das Gericht auf, eine beispielhafte Strafe zu verhängen und eine starke Botschaft an alle Firmen zu senden.

Bewährungsstrafe für Ikea-Manager

Der Manager, der zur damaligen Zeit für das Risikomanagement verantwortlich war, räumte vor Gericht ein, pro Jahr seien 530.000 bis 630.000 Euro für solche Untersuchungen bereitgestellt worden. Die Anweisungen an seine Abteilung seien von dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Ikea Frankreich gekommen, Jean-Louis Baillot. Baillot wies die Vorwürfe zurück. Er wurde zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Ein anderer ehemaliger Vorstandsvorsitzender wurde freigesprochen.

Ein Anwalt von Ikea Frankreich, Emmanuel Daoud, erklärte, das Unternehmen habe noch nicht über eine Berufung gegen das Urteil entschieden. Der Fall sei durch einen Mangel an harten Beweisen gekennzeichnet und das Gericht sei deutlich unter den möglichen Höchststrafen geblieben. Nach Beginn der Ermittlungen 2012 hatte Ikea vier Manager entlassen und seine internen Richtlinien geändert. Mehrere Zivilklagen, die von Gewerkschaften und 74 Angestellten erhoben wurden, stehen noch aus.

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