"Illegaler Zugriff" auf Supercomputer in ganz Europa

Hacker haben in den letzten Tagen Cyberangriffe auf akademische Datenzentren in ganz Europa gestartet. Die Angreifer haben es womöglich auf Kryptowährung abgesehen.

Mehrere Betreiber von Supercomputern auf der ganzen Welt kämpfen gegen Cyberangriffe und mussten deshalb ihre Maschinen abschalten. Dies vermeldet das Centro Svizzero di Calcolo Scientifico (CSCS) auf seiner Website. Das CSCS betreibt im Tessin in der Schweiz unter anderem den Hochleistungscomputer (HPC) Piz Daint. Dieser ist derzeit auf Platz 6 der schnellsten Rechner der Welt. Betroffen vom Angriff sind auch zwei HPCs der ETH, Euler und Leonhard, wie auf deren Status-Website zu sehen ist.

Damit steht Infrastruktur im Wert von Millionen still. Sie wird sonst genutzt, um komplexe Berechnungen für die Forschung in Physik, Chemie, Nanowissenschaften oder in anderen Bereichen zu tätigen. Zwar laufen die Geräte weiterhin, Forscher können jedoch von extern nicht mehr zugreifen. Dies, weil "bösartige Aktivitäten" entdeckt wurden. Nicht betroffen sind hingegen die Wettervorhersagen, die ebenfalls am CSCS berechnet werden.

Behörde ist informiert

"Wir untersuchen den illegalen Zugriff auf das Zentrum. Unsere Ingenieure arbeiten daran, die Systeme so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen, um die Auswirkungen auf die Nutzer auf ein Minimum zu reduzieren", erklärt CSCS-Direktor Thomas Schulthess in einer Mitteilung. Laut CSCS sind die Hintergründe des Angriffs unklar. Es laufen weitere Abklärungen, auch mit der nationalen Melde- und Analysestelle für Informationssicherung, kurz Melani.

Top-500

USA, China, Schweiz: Das ist die Abfolge der Standorte der schnellsten Computer der Welt. Der Piz Daint, der im Tessin steht, ist auf Platz 6 der weltweiten Rangliste. Der schnellste Hochleistungsrechner steht in den USA und heißt Summit. Eine vollständige Liste gibt es auf Top500.org.

Rechenpower für Kryptogeld

Rund ein Dutzend Supercomputer, darunter Maschinen in Deutschland und Großbritannien, sind von den Cyberangriffen betroffen, wie die Branchenplattform Bleepingcomputer.com schreibt. Die Angriffe auf die Supercomputer seien mehr als nur ungewöhnlich, schreibt Spiegel.de. In einigen Fällen hätten die Hacker auch Benutzerkonten gekapert, um sich Zugriff auf die Rechner zu verschaffen. Ein Datenabfluss konnte bisher nicht festgestellt werden.

Ein Spezialteam der European Grid Infrastructure (EGI) hat zwei Fälle genauer analysiert. Dabei zeigte sich, dass die Leistung der Supercomputer missbraucht wurde, um die Kryptowährung Monero zu generieren. In einem Fall war dies so konfiguriert, dass der bösartige Code nur in der Nacht ausgeführt wurde. Vermutlich, um nicht entdeckt zu werden, heißt es in dem Bericht. Wer genau hinter den Attacken steckt und wie lange die Supercomputer ausfallen, ist derzeit nicht klar.

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