Ein Psychiater und seine blinde Freundin, verbunden durch ein dunkles Geheimnis. Eine Schulkrankenschwester, die mit ihrer Kündigung weit mehr verliert, als nur ihre Arbeit. Ihr Bruder, der bereit ist alles für sie zu tun. Eine verzweifelte Mutter, die sich liebevoll um ihren Sohn im Wachkoma sorgt. Und die bereit ist, unerhörtes zu versuchen, um ihn wieder zu erreichen. Ein junger Mann, der sich selbst verkauft, weil er sich schon vor Langem verloren hat. Ein Schüler, dessen vermeintlich harmloser Streich all diese Schicksale verknüpft. Und ein Junge, der verschwindet.
Das ist der Plot eines bemerkenswerten neuen Films - "Zauberer", in dem Ex-"Jedermann" Nicolas Ofczarek nicht nur eine Episoden-Hauptrolle übernommen hat, sondern gemeinsam mit Sebastian Brauneis und Clemens Setz das Drehbuch schrieb.
Nicolas Ofzarek: Sebastian Brauneis und ich hatten uns bei den Dreharbeiten zu "Bosterreich" kennengelernt und uns sofort kunstlerisch, aber auch menschlich gefunden. Wir sind
einfach gute Freunde geworden. Darum war es fur Sebastian, glaube ich, auch selbstverstandlich, mir einmal vorlesen zu wollen, woran er gerade arbeitet. Er liest mir also, damals bei ihm zuhause, die erste Seite vor und schon waren wir mitten in einer aufgeregten Unterhaltung daruber, wie diese Charaktere sind, wie die reden, was die gerade tun. Einfach Gedankenspiele mit eigenen Erinnerungen, Beobachtungen und Abgrunden. Sebastian hat das dann notiert und schon waren wir mitten im „Drehbuchschreiben". Es ist einfach passiert. Wahrscheinlich aus Liebe zu diesem „Spiel".
Sebastian Brauneis: Ein Drehbuch zu schreiben ist grundsatzlich ein oft sehr einsamer Prozess. Und Einsamkeit soundso DAS Thema, dass mich in der Kunst UND im Leben am meisten beschaftigt, fasziniert und auch erschreckt. Man verbringt eben beim Schreiben viel Zeit mit sich und dem Stoff. Irgendwann mal nur noch mit sich, weil die Geschichte schon ganz in einem selbst verschwunden ist. Und da ist man dann wirklich sehr allein. Wir dachten uns, wir schreiben zu dritt. Um dem auch zu begegnen, dieser Einsamkeit. Nur um festzustellen, dass man auch zu dritt sehr einsam sein kann. Dennoch mag ich die Arbeit nicht missen, es war einer der schonsten, flussigsten und intensivsten Arbeitsprozesse die ich bisher hatte. Die vielen unterschiedlichen Ideen von uns unterschiedlichen Personlichkeiten die manchmal miteinander, manchmal gegeneinanderstanden. Dann einen Weg zu finden, wie die Personen im Film durch diese Wirren ihrer Leben durchfinden konnten. Durch dieses Spiegelkabinett der Einsamkeiten. Das war sehr bereichernd, pur und mitunter brutal.
In "Zauberer" gibt Nicolas Ofzarek einen Psychiater, der seiner blinden Freundin die Vielfältigkeit, aber auch die (sexuellen) Abgründe der menschlichen Natur näher bringen will. Diese blinde Frau ist im wirklichen Leben seine Ehefrau Tamara Metelka. Was war das für ein Gefühl?
Nicolas Ofzarek: Großartig. Da wir beide Schauspieler sind, weil dieser Beruf auch unsere Liebe und sowieso unser Leben ist, war es eine sehr lustige, bereichernde und ernsthafte Auseinandersetzung miteinander. Wir durfte uns quasi als „andere" in fremden Situationen neu kennenlernen und mussten herausfinden wie wir als „die" miteinander sind, miteinander funktionieren. Ich war also zwar noch mit meiner Frau in der Garderobe oder in der Maske, dann aber mit meiner und zugleich dieser anderen vor der Kamera in der Szene. Es war sehr interessant und eine wirklich schone Arbeit. Auch wenn wir beide vorher, zugegeben, schon nicht so genau wußten wie das wird (lachelt).
"Zauberer". Kinostart ist am 20. April
Infos (man)