Immer mehr Arbeitslose vom AMS gesperrt

Alarm schlagen die Caritas und die KPÖ in der Steiermark. Immer mehr Arbeitslose würden vom AMS gesperrt und müssten mit 215 Euro im Monat leben.
Von einer "gefährlichen Abwärtsspirale" berichtet die "Kleine Zeitung" in der Steiermark. Der Grund: Arbeitslose, die vom Arbeitsmarktservice gesperrt werden, werden nicht mehr von der Mindestsicherung aufgefangen. Und die Fälle häufen sich. Von 4.874 Fällen 2017 sei die Zahl im Vorjahr bereits auf 6.289 gesperrte AMS-Arbeitslose gestiegen.

Gesperrt wird man vom AMS, wenn man fixierte Vorstellungsgespräche ohne Angabe von Gründen versäumt oder Jobangebote ablehnt. Dann wird das Arbeitslosengeld für sechs Wochen, im Wiederholungsfall für acht Wochen gesperrt. Die Sperre sei dabei gar nicht das eigentliche Problem: Vielmehr weisen Caritas und KPÖ darauf hin, dass die Mindestsicherung dann nicht mehr zum Tragen kommt, wie das früher der Fall war.

Betrag zu niedrig, Sperre zu lang?

Heißt konkret: Wer nun gesperrt wird, bekommt nur noch 25 Prozent der Mindestsicherung, was in etwa 215 Euro im Monat sind. Die Caritas berichtet im Fall von Sperren bei Betroffenen von massiven Mietschulden, Delogierungen und einem kompletten Wegfall jeglicher künftiger Jobchancen. Der Anstieg der Sperren sei einfach zu erklären: Durch eine gute Wirtschaftslage gebe es mehr offene Stellen, was aber wiederum mehr Job-Absagen durch Arbeitslose bedeute, heißt es vom AMS.

Bei der KPÖ befürwortet man zwar die AMS-Sperren, gibt aber gegenüber der "Kleinen Zeitung" zu bedenken, dass die 215 Euro "Strafbetrag" zu niedrig sei beziehungsweise die Dauer der Sperre zu lange sei. Angeregt wird eine Streichung des Arbeitslosengelds um die Hälfte im Sanktionsfall oder eine kürzere Sperre von AMS-Geldern. Bei der Caritas heißt es, man müsse beobachten, warum Betroffene Termine versäumen und Jobs ablehnen – ob sie dies etwa mutwillig machen oder ob eine Überforderung oder psychische Erkrankung dahinter stecken könnte.

CommentCreated with Sketch.123 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "AMS-Code" sorgt für Aufregung

Wie jüngst bekannt wurde, will das AMS ab 2020 auch einen Algorithmus zum Einsatz bringen, der die Jobchancen von Arbeitslosen automatisch bewertet (siehe Fotoshow). Der Algorithmus "ordnet" Arbeitslose Kategorien zu. Kategorie A seien Menschen, die schnell vermittelbar sein, als Kategorie B gelten Personen mit Potenzial für Förderungen und mit Kategorie C seien Menschen gemeint, die langfristig kaum Chancen auf einen Job haben.

Der Algorithmus arbeitet unter anderem mit Alter, Geschlecht, Staatsbürgerschaft, bisherigen Arbeitsstellen, Wohnort und Ausbildung, um eine Berufsprognose zu erstellen. Unklar ist, wie die Faktoren gewichtet werden. Kritik gab es etwa deswegen, weil zu befürchten war, das Frauen, Alleinerziehende, Ausländer und Wiener (aufgrund der angespannteren Jobsituation in der Bundeshauptstadt) schlechtere Chancen haben als etwa generell Männer oder Nicht-Wiener.

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