Impf-Aufklärer als Fake-News-Verbreiter gebrandmarkt

Marc Raschke klärt schon seit beinahe zwei Jahren privat auf Instagram über Covid-19 und Impfungen auf. Nun wurde er von der Plattform abgestraft.

Bereits seit Beginn der Pandemie setzt sich Marc Raschke, Kommunikationsspezialist des Klinikums Dortmund, auf Instagram privat für die Verbreitung von wissenschaftlich fundierten Informationen rund um Covid-19 und die Impfungen ein. "Ich kümmere mich darum, dass die Menschen auch an Informationen kommen, wie es zum Beispiel in den Krankenhäusern aussieht. Das tue ich in meiner Freizeit und als Privatperson manchmal auch etwas unkonventionell", erklärt Raschke.

Beinahe zwei Jahre lang ging dies problemlos. Nun haben aber gleich zwei Vorfälle dazu geführt, dass Raschke über Instagram und dessen Algorithmus ernüchtert ist. "Beim ersten Vorfall hatte ich einen Screenshot eines Tweets veröffentlicht, in dem sich jemand ironisch darüber ausgelassen hatte, wie man mittlerweile mit Kindern in der Schule umgeht. Einer meiner Followerinnen und Follower muss wohl nicht verstanden haben, dass es sich um Ironie gehandelt hat, und hat meine Instagram-Story gemeldet", so Raschke. Dabei erklärt er, dass er in den Storys vor und nach dem Screenshot deutlich gemacht habe, dass es sich um einen nicht ernstzunehmenden Inhalt handle.

"Das ist Rufmord"

Der zweite Vorfall ereignete sich kurz darauf. Dort hatte Raschke eine Umfrage in seiner Community gestartet, bei der die Gründe erfragt wurden, weshalb sich einige Personen noch immer nicht impfen lassen. Die Ergebnisse dieser Umfrage veröffentlichte er wieder in seinen Insta-Storys. "Dabei habe ich eine Antwort gepostet, bei der eine Followerin angegeben hatte, sich nicht zu impfen, weil ihre Mutter sie vor der 'Impfdiktatur' gewarnt habe." Dies sei dem Algorithmus von Instagram sofort aufgefallen und sein Konto sei erneut gemeldet worden.

In der Folge kann Raschkes Instagram-Account nicht mehr verlinkt werden. Als Grund wird genannt, dass der Nutzer "wiederholt Inhalte gepostet hat, die gegen Gemeinschaftsrichtlinien zu falschen Inhalten über Covid-19 oder Impfstoffe verstoßen". "Das ist Rufmord", findet Raschke. "Sonst kann man bei Instagram alles melden und meist wird die Meldung ignoriert. Aber ich werde so abgestraft, das frustriert mich doch sehr." Natürlich verstehe er, dass Plattformen wie Instagram oder Facebook Inhalte filtern müssen und dies sei auch extrem wichtig. "Wir müssen uns aber als Gesellschaft fragen, wie sehr Algorithmen in unseren Diskurs eingreifen dürfen."

Facebooks Kampf gegen Fehlinformationen

"Alles, was gemeldet wird, wird von unserem Community Operations Team überprüft", erklärt Johannes Prüller, Mediensprecher von Facebook, zu dem auch Instagram gehört. "Wir entfernen Inhalte, die gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen. Dazu gehören Falschinformationen, die zu unmittelbar drohendem körperlichen Schaden führen könnten wie zum Beispiel gesundheitsgefährdende Falschinformationen im Zusammenhang mit COVID-19, oder Falschinformationen über den Wahlprozess, die Menschen von der Stimmabgabe abhalten könnten." Seit Beginn der Pandemie habe Facebook zwölf Millionen Inhalte über COVID-19 und Impfstoffe entfernt, die von globalen Gesundheitsexperten als Fehlinformationen gekennzeichnet wurden.

Außerdem werde die Verbreitung von Informationen, die durch einen Faktenprüfer oder eine Faktenprüferin als falsch gekennzeichnet wurden, absichtlich reduziert. "Weltweit arbeiten wir mit über 80 unabhängigen Faktenprüferorganisationen zusammen, die Inhalte in mehr als 60 Sprachen auf der ganzen Welt überprüfen und bewerten, um falsche Behauptungen zu entlarven", erklärt Prüller. Er räumt aber auch ein, dass bei der Anwendung der Gemeinschaftsstandards Fehler unterlaufen können. "Aus diesem Grund geben wir Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, eine Entscheidung erneut überprüfen zu lassen, wenn sie der Meinung sind, dass wir einen Fehler gemacht haben."

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