Nicht erst angesichts der dramatisch hohen Zahlen von Omikron-Infektionen appelliert die Politik, das Angebot der Auffrischungsimpfung anzunehmen. Auch der Wiener Christian S. (64) wollte sich nun in der Impfstelle im Meislmarkt (Rudolfsheim-Fünfhaus) seinen Booster holen. Und scheiterte.
Schuld daran waren aber nicht Fristen, die unterschritten wurden, sondern offenbar die "Impfmüdigkeit" des Teams, das "einfach nach Hause wollte", wie Christian S. im Gespräch mit "Heute" vermutet. Eigentlich hat die Impfstation von Montag bis Freitag von 9 bis 13 und 14 bis 18.30 Uhr geöffnet. Herr S. war nach eigener Aussage um 18.15 Uhr dort.
Doch er schaffte es nicht einmal bis zum Arzt. "Schon beim Eingang zu dem durch die Johanniterbetriebenen Impfzentrum wurde mir mitgeteilt, dass trotz gähnender Leere im Warteraum heute keine Impfungen mehr stattfänden. Auf mein Insistieren wurde mir eröffnet, dass wegen 'nur einer Impfung' keine Ampulle mehr angebrochen würde, weil dann, wenn keine anderen Impfwilligen kämen, die restlichen Dosen unbrauchbar würden", erzählt Christian S.
Das Argument des Wieners, dass doch laut Regierung "jeder Stich zähle", fiel bei den Johannitern offenbar auf taube Ohren. "Offensichtlich wollte das Personal dort pünktlich nach Hause gehen. Stellen sie sich vor, man würde Ihnen in der Feinkostabteilung eines Supermarktes eine Viertelstunde vor Geschäftsschluss erklären, dass man wegen einer Wurstsemmel keine neue Stange Extrawurst anschneidet, weil dann der Anschnitt bis zum nächsten Tag verderbe", ist Christian S. empört. Verärgert verließ er den Meislmarkt und fuhr weiter in die Lugner City (Rudolfsheim-Fünfhaus), wo die Impfung (ebenfalls durch die Johanniter) dann problemlos klappte.
Seinem Ärger macht er nicht nur gegenüber "Heute", sondern auch in einer schriftlichen Sachverhaltsdarstellung Luft, die er ans Gesundheitsministeriums sandte. Darin schreibt er etwa: "Es entzieht sich komplett meinem Verständnis, einen Impfwilligen in Zeiten wie diesen, in denen unsere Gesellschaft ohnehin schon so gespalten ist, und die Impfrate permanent sinkt, derart vor den Kopf zu stoßen".
Er persönlich halte die Impfpflicht für "verstörend". Er sei weder ein "Alu-Hutträger" noch ein Impfgegner, erachte aber die Maßnahmen der Regierung, vor allem angesichts der Omikronvariante als "überzogen". Er habe sich schließlich doch für den Booster entschieden, da sein Impfzertifikat sehr bald ungültig geworden wäre und er seine Freiheiten bezüglich Reisefreiheit und Einkaufsmöglichkeiten nicht verlieren wollte.
Auf "Heute"-Anfrage prüften die Johanniter den Fall und bestätigen, dass Herr S. weggeschickt wurde. Jedoch spricht man hier von einer früheren Uhrzeit: "Nach Rücksprache mit unseren Mitarbeitenden war Herr S. um 18.25 Uhr in der Impfstation. Leider konnte er kurz vor Schließung der Impfstation nicht mehr angenommen werden, weil die anschließende Aufsichtspflicht von mindestens 15 Minuten nach der Impfung durch unser medizinisches Personal nicht gewährleistet gewesen wäre", wird in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt.
"Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und würden Herrn S. als kleine Wiedergutmachung sehr gerne einen Gutschein für einen Erste Hilfe-Kurs zukommen lassen", heißt es bei den Johannitern. Zudem gibt es einen Rat: "Wir empfehlen Impfwilligen mindestens 20 Minuten vor Schließung der Impfstation zur Anmeldung zu kommen". So sollen sich ähnliche Fälle nicht mehr wiederholen.