Impfung und weniger Geld – AMS-Chef packt im ORF aus

Echte Arbeitsverweigerer-Härtefälle seien die Ausnahme, sagt AMS-Chef Johannes Kopf.
Echte Arbeitsverweigerer-Härtefälle seien die Ausnahme, sagt AMS-Chef Johannes Kopf.picturedesk.com/Montage: "Heute"
In Österreich sinkt die Arbeitslosigkeit schneller als erwartet. AMS-Chef Johannes Kopf sagt im ORF an, was auf Arbeitslose nun alles zukommen soll.

338.514 Menschen waren im September arbeitslos oder in Schulungen – das ist weit tiefer als der Corona-Negativrekord von über 571.000 Arbeitslosen und auch wieder fast am Niveau vor der Corona-Pandemie. Nun wollen Politik und Arbeitsmarktvertreter nicht nur die Arbeitslosenzahlen weiter senken, sondern auch mehr Druck auf Langzeit-Arbeitslose und Arbeits-Unwillige machen. Wie, das erklärte am Freitagabend AMS-Vorstand Johannes Kopf am Freitagabend in der "ZiB 2".

Alle Prognosen für den Arbeitsmarkt seien durchgehend falsch gewesen, so Kopf, sie hätten auf Erfahrungen der Vergangenheit beruht – doch eine Situation wie Corona habe man noch nicht erlebt. Der Erfreuliche dabei: Die Arbeitslosigkeit sinke nun viel schneller als geglaubt. Das Problem dabei: Alle Unternehmen hätten nach den Lockdowns begonnen, gleichzeitig massenhaft nach Mitarbeitern zu suchen, man habe einen "Rekord an offenen Stellen".

Auch bei Langzeitarbeitslosen würde die Zahl zurückgehen, allerdings nicht mit der Dynamik wie bei jenen Personen, die erst seit kurzer Zeit arbeitslos seien, so Kopf. Entgegenwirken könne man mit "sehr, sehr großzügigen Lohnförderungen", etwa mit der Aktion "Sprungbrett", und "ganz ehrlich, das funktioniert auch", so Kopf. Einen "Massenexodus aus der Branche" habe allerdings der Tourismus und die Gastronomie erlebt: Mitarbeiter hätten sich umorientiert, doch auch diese Situation entspanne sich.

"Es sind viel weniger, als Sie glauben. Dass jemand einen konkreten Job nicht will, heißt nicht, dass er nicht arbeiten will"

Im Winter werde die Arbeitslosensituation saisonbedingt höher sein, allerdings werde sie insgesamt im vergleich zu den Lcokdown-Zeiten weiter sinken, so Kopf: "Es könnte, so es die Pandemie zulässt, ein toller Winter werden." Und was machen mit jenen, die gar nicht arbeiten wollen? "Es sind viel weniger, als Sie glauben. Dass jemand einen konkreten Job nicht will, heißt nicht, dass er nicht arbeiten will", schickte Kopf voraus. Allerdings sind doch Maßnahmen für Unwillige geplant.

"Ich bin hier im engstem Austausch mit Arbeitsminister Kocher", sagte Kopf es gehe dabei vor allem um zwei Themen: Einerseits, was Arbeitslose zum Arbeitslosengeld dazuverdienen dürften, andererseits, ob man das Arbeitslosengeld degressiv gestalten könnte. Heißt: Das Arbeitslosengeld könnte mit dem aktuellen Betrag oder sogar etwas höher starten und dann laufend niedriger werden. Ein Blick auf andere Länder zeige, dass eine Senkungs-Stufe nach drei Monaten sinnvoll sein könne, s Kopf.

Ein brisantes Thema sei, ob es "hinten runter unter 55 Prozent" gehe, so der AMS-Vorstand – man wolle zwar einen Arbeitsanreiz schaffen, aber auch Armut bekämpfen, was eigentlich im Widerspruch stehe. Jetzt sei "aber die Situation, wo man das ansprechen" müsse. Konkrete Vorschläge sollen laut Kopf Ende des Jahres vorliegen. Was er auch sagte: "Es gibt Arbeitslose, die sich in ihrer Situation eingerichtet haben." Helfe dabei auch die Unterstützung des AMS nichts, müsse man "da und dort aber nachdenken über Anreize" und ob die Armutsvermeidung nicht möglicherweise "zur Verlängerung der Arbeitslosigkeit führt". Und: Eine Eine AMS-Sperre für Impfverweigerer sei zumutbar – die Impfung sei "halt nicht so gefährlich", dass man sagen könne, man lehne deswegen einen Job ab.

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