Nach den jüngsten Lockerungen steigt die Virus-Ansteckungsrate in Deutschland wieder über den kritischen Wert von "1". Die sogenannte Reproduktionsrate werde aktuell auf 1,1 geschätzt, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Wochenende mit. Jeder Infizierte steckt damit statistisch mehr als eine weitere Person an, die Fallzahlen würden damit wieder klettern. Diese Entwicklung müsse in den nächsten Tagen sehr aufmerksam beobachtet werden.
Der sogenannte "R"-Fakor gilt als wichtiges Indiz für die Entwicklung des Coronavirus. Forscher erklärten allerdings, die Schätzung sei wie üblich mit Unsicherheit verbunden. Es könne somit noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetze oder es zu einem Wiederanstieg komme.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte, es sei zu erwarten, "dass der R-Wert wieder über 1 geht und wir in das exponentielle Wachstum zurückkehren." Die Lockerungen seien "zu schlecht vorbereitet worden". Die Verantwortung auf die Landkreise zu verlegen, habe Nachteile. "Sie haben weder Ressourcen noch Erfahrung in lokaler Pandemiebekämpfung."
Gleichzeitig meldete das Robert-Koch-Institut in Deutschland 667 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Damit stieg die Zahl der Fälle auf insgesamt 169.218. Die Zahl der Toten legte um 13 auf 7395 zu. Nach Angaben des RKI sind rund 144.400 Menschen inzwischen genesen. (20min)