Die Stadt Wien spricht von einem "museumspolitischen Meilenstein": Wer sich künftig die Dauerausstellung im neuen Wien Museum am Karlsplatz (City) ansehen möchte, braucht dafür keinen Cent zu bezahlen. Das wurde nun von Bürgermeister Michael Ludwig und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (beide SPÖ) bekannt gegeben.
"Wien. Meine Geschichte" lautet der Titel der Dauerausstellung, mit der das Haus nach drei Jahren Umbau am 6. Dezember wiedereröffnet wird. Gegründet als Historisches Museum der Stadt erzählt man am Karlsplatz nun auf 3.300 Quadratmetern die Geschichte von der Frühzeit bis ins Heute. Daher sei es umso wichtiger, sie jedem zugänglich zu machen. Das Wien Museum ist das erste öffentliche Museum in Österreich, das diesen Weg einschlägt. Geplant war es bereits im Regierungsprogramm von SPÖ und Neos.
"Das Wien Museum und seine Sammlung gehört den Wienern", so Ludwig. "Der Gratiseintritt in die Dauerausstellung ermöglicht die Teilhabe an diesem historischen Schatz und repräsentiert eine nie dagewesene Demokratisierung des städtischen Kulturerbes. Es ist ein Vorhaben, das es in dieser Dimension innerhalb der österreichischen Museumslandschaft noch nicht gegeben hat – und das sicherlich beispielgebend sein wird. Wien ist eine lebenswerte und leistbare Stadt, und damit das nicht nur ein Slogan ist, setzen wir Taten."
Mit dem freien Eintritt in die Dauerausstellung gelinge etwas Wesentliches, ergänzt Kaup-Hasler: "Die Stadt Wien öffnet einen neuen kulturellen sozialen und demokratiepolitisch wichtigen Raum, einen Ort für die Erfahrung gesellschaftlicher Teilhabe. Gerade in krisengeschüttelten Zeiten großer gemeinsamer Herausforderungen braucht es die konkrete Erfahrung, dass Kunst und Kultur Orte schafft, die offen sind für Dialog, für die Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart, für Begegnung und das Erlernen von vielfältigen Sichtweisen."
"Der Zugang zum Wissen über die Geschichte der Stadt, in der man lebt, sollte kein Privileg sein, sondern ein Recht", sagt Direktor Matti Bunzl dazu. Laut einer aktuellen Studie zur kulturellen Teilhabe (SORA, 2023) ist der kostenlose Besuch kultureller Angebote ein wesentlicher Treiber für die kulturelle Beteiligung. Ohne diese Möglichkeit würde die Anzahl der jährlichen Besuche kultureller Veranstaltungen von 11 auf 7 fallen.
Für Schulklassen bietet das Museum künftig 26 verschiedene Programme, von "Museum for future!" bis zu "NS-Tatort Wien" an. Mit kostenlosen Workshops möchte man Kinder und Jugendliche aller Altersstufen für die Geschichte ihrer Stadt begeistern und zum eigenständigen Forschen, Diskutieren und Fragenstellen ermächtigen. Start ist am 8. Jänner.
Aber auch für die jüngsten Besucher und ihre Familien ist gesorgt: Angeboten werden kostenfreie Workshops und Offene Ateliers innerhalb der Reihen "Philosophieren mit Kindern", "Stadt.Raum.Körper", "Atelier Cuisine", "Papier.Zeichen.Wörter" und "Klangfarben". Frei zugänglich sind auch alle inklusiven Programme für Erwachsene. Für Menschen, die gerne langsam durch das Museum gehen bietet sich die Führung von "Wien Museum entschleunigt" an. Für alle, die sich für Kunstgeschichte begeistern, ermöglichen Führungen der Reihe "Wien Museum kreativ" einen Ausstellungsbesuch und anschließendes Gestalten in den Ateliers.
Erstmals wird es im Wien Museum zudem eine "Community Gallery" geben. Gemeinsam sollen Projekte realisiert werden, die Interessen und Anliegen unterschiedlicher Communities der Stadt den notwendigen Raum geben. Mit der Eröffnung am 6. Dezember wird auch die erste dieser Ausstellungen, "Perspektivenwechsel", zu sehen sein.