Hier kontrolliert Polizei nun "Ausgeh"-Formulare

In Frankreich sind Mediziner wegen steigender Corona-Zahlen höchst besorgt. Die ersten befinden Regionen befinden sich bereits in Wochenend-Lockdowns. 

"Ich verstehe nicht, worauf wir warten", sagt Philippe Juvin, Leiter der Notfallabteilung des Georges-Pompidou-Spitals in Paris. "Für jeden Tag ohne Entscheidung ist ein hoher Preis zu zahlen." Landesweit werden aktuell täglich über 20.000 Neuinfektionen gezählt, am Freitag waren es über 25.000. Damit ist das Niveau von November erreicht.

In Frankreich sind Schulen und Läden geöffnet, die Regierung setzte bisher auf massenhaft Tests als wichtigstes Mittel gegen das Virus. Jetzt steigt die Sorge vor einer dritten Welle. Seit diesem Wochenende gilt in besonders heftig von der Corona-Epidemie betroffenen Regionen in Frankreich ein Wochenend-Lockdown, etwa in Nizza und Dünkirchen. Alle Läden außer Supermärkte und Apotheken haben geschlossen.

Die Menschen dürfen nur noch mit triftigem Grund vor die Tür. Dazu zählen Sport, Spazieren im Umkreis von fünf Kilometern zur eigenen Wohnung oder Einkaufen. Wer seine Wohnung verlässt, muss ein entsprechendes "Ausgeh"-Formular mit sich führen. In Nizza sind auch die Strände gesperrt.

Paris berät über harten Kurz-Lockdown

Ab 18.00 Uhr gilt landesweit eine Ausgangssperre. Dieses Sperrstunde ist in Frankreich schon seit einigen Wochen in Kraft – Ausnahmen gelten etwa für den Arbeitsweg oder Gassigehen. Auch dies muss mit einem ausgefüllten Formular belegt werden.

Paris denkt nun über einen harten, kurzen Lockdown nach – mit der Aussicht, danach wieder Restaurants oder kulturelle Institutionen öffnen zu können. Die Stadt will am Wochenende mit Gesundheitsbehörden und Präfektur über mögliche Maßnahmen beraten. Premierminister Jean Castex hatte am Donnerstag in 20 Départements eine erhöhte Corona-Warnstufe ausgerufen. Hier sollen die örtlichen Behörden über verschärfte Maßnahmen nachdenken.

Auch Italien verschärft Regeln

Italien will ab Montag die Corona-Beschränkungen in einigen Teilen des Landes verschärfen. Für die süditalienischen Regionen Basilikata und Molise gilt dann ein Lockdown, in der Lombardei, Marchen und dem Piemont die mittel-strengen Regeln der Orangen Zone. Dazu unterzeichnete Gesundheitsminister Roberto Speranza eine Verordnung, wie sein Ministerium am Samstag in Rom mitteilte

Dem wöchentlichen Bericht zur Corona-Lage zufolge stieg der landesweite Inzidenzwert zuletzt auf 145 Fälle je 100.000 Einwohner im untersuchten Zeitraum vom 15. bis 21. Februar. Der sogenannte R-Wert blieb weiter bei 0,99. Experte Giovanni Rezza sprach von Infektionsherden an Schulen und brachte Schließungen ins Spiel. Die Behörden verzeichneten bislang insgesamt mehr als 2,8 Millionen Corona-Infektionen und über 97.000 Tote mit dem Virus.

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