In Österreich liegen 300.000 Impfdosen auf Eis

Anschober, Kurz und Kogler berieten mit Experten. Die Plexiglas-Wände stammten noch von einer vorangegangenen Sitzung.
Anschober, Kurz und Kogler berieten mit Experten. Die Plexiglas-Wände stammten noch von einer vorangegangenen Sitzung.Dragan Tatic
Österreich hätte zumindest 100.000 Impfdosen mehr aus dem EU-Kontingent bestellen können. Das wurde am Montag bei Beratungen der Regierung bekannt.

Stundenlang beriet die Regierung am Montag mit Experten, Landeshauptleuten und Opposition das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Pandemie. Vereinbart wurde die Möglichkeit regionaler Öffnungen bei niedrigen Zahlen und von Verschärfungen bei hohem Infektionsgeschehen. Details sollen diese Woche erarbeitet werden. Im Fokus stand aber Gesundheitsminister Anschober, der nach seinem Kreislaufkollaps am Montag offiziell aus dem Krankenstand zurückgekehrt ist:

100.000 Dosen nicht abgeholt

Bis Ende Juni hätte sich Österreich laut Gesundheitsministerium 100.000 Impfdosen zusätzlich sichern können, der tatsächliche Wert könnte laut EU-Insidern sogar bis zu sieben Mal so hoch sein. Aber: Anschober wurde darüber vom Impf-Koordinator nicht informiert. Der ist diese Funktion jetzt los (siehe unten).

Impfplan neu

Per Erlass hat Anschober den überarbeiteten Impfplan an die Länder geschickt. Es sei "inbesondere auf die vorgegebene vorrangige Verimpfung nach Alter und Hochrisikogruppe zu achten". Empfohlen wird zudem, dass nach einer Covid-Infektion die Impfung sechs bis acht Monate aufgeschoben und dann nur eine Dosis verabreicht wird.

300.000 Impfungen auf Halde

Laut Europäischer Gesundheitsbehörde ECDC sind bis dato 1,37 Millionen Impfdosen nach Österreich geliefert worden. Laut Gesundheitsministerium sind allerdings erst etwas mehr als eine Million verimpft. Rund 300.000 Dosen liegen auf Eis.

53 Millionen Euro für Impfstoff

Bis Ende 2020 hat das Finanzressort 22 Millionen freigeben, heuer bislang 30,9 Millionen Alleine im Vorjahr wären bis zu 200 Millionen bereitgestanden.

Ärzte wütend

Ärztekammer-Präsident Szekeres kritisiert, dass das Gesundheitsministerium das Impfstoff-Budget bei Weitem nicht ausgeschöpft habe: "Bei den Kosten für die Beschaffung den Sparstift anzusetzen, ist völlig fehl am Platz."

Auer hatte Anschober Infos vorenthalten.
Auer hatte Anschober Infos vorenthalten.Helmut Graf

Impf-Koordinator darf ein Amt behalten

Die Probleme rund um die schleppenden Impfungen haben jetzt ein erstes Opfer gefordert: Gesundheitsminister Anschober zieht Clemens Auer von seiner Funktion als Impf-Koordinator ab und Österreichs Vertreter im EU-Impfgremium ab. Der Grund: Auer habe ihn nicht darüber informiert, dass es die Möglichkeit gegeben habe, über einen Reservetopf der EU zusätzliche Impfdosen von Biontech-Pfizer zu bestellen. Auer sei davon ausgegangen, dass die bestellten 31 Millionen Dosen ausreichend seien, so Anschober in Ö1.

Seine Funktion als Sonderbeauftragter des Gesundheitsministeriums bei der WHO behält Auer. Die unterbliebene Information sei nicht ausreichend, um ihn zu suspendieren, wie das die ÖVP gefordert hatte. Die Leitung der Impfkampagne übernimmt Katharina Reich, seit Dezember "Chief Medical Officer" im Gesundheitsministerium.

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