"In Sound Mind" im Test: Wenn Ängste zu Horror werden

Aller guten Dinge sind drei: Nach zweimailigem Anspielen von "Ins Sound Mind" ist nun das finale Game da – und ein Horror-Trip mit Tiefgang geworden.

Das Horror-Game "In Sound Mind" soll gibt es nun auf PS5, Xbox Series X|S und PC, künftig soll noch eine Version für die Nintendo Switch folgen. Die Macher von We Create Stuff hatten uns bereits zwei Mal, Mitte 2020 und im Juli 2021, eingeladen, einen kurzen Blick auf eine frühe Version des Spiels zu werfen. Nun ist die finale Version da. Und was da serviert wird, hat zwar schwächen, ist aber auch ein willkommener und teils innovativer Horror-Leckerbissen.

Der Spieler wacht scheinbar als Psychiater Desmond in einem ihm fremden Gebäude in der Stadt Milton Haven mit Erinnerungslücken auf uns muss in der First-Person-Perspektive schnell feststellen, dass die Spielwelt offenbar ein Eigenleben führt. Statt Action steht hier Survival im Vordergrund und auch die Handlung fesselt: Nach und nach trifft man auf Opfer einer angeblichen experimentellen Therapie und je weiter man vordringt, umso heftiger wird es.

Spielt geizt zu sehr mit Details

Während es beim Gameplay immer wieder tolle Lichtblicke gibt, wurde abseits davon etwas zu klassisch bei den typischen Horror-Game-Elementen abgekupfert. Wenig bis keine Story-Details zu Beginn? Keine Ahnung, was man eigentlich tun soll? Keinerlei Erklärung, warum furchteinflößende Geschehnisse passieren? Alles vorhanden, und alles soweit auch aus anderen Games bekannt. Dabei nimmt das Spiel gerade dann erst an Fahrt auf, wenn man die Zusammenhänge versteht.

So sehr die Szenerie mit sich seltsam verhaltenden Menschen und sich verändernden Gebäuden und Landschaften auch reizt, zu Beginn geizt das Spiel etwas zu sehr mit den Hintergründen. So steht man erst einmal etwas ratlos in einem Gebäude, in dem viele Wege versperrt sind und in dem man beginnen soll, nach Tonbändern zu suchen. Immerhin: Eine süße Katze gesellt sich schnell zu uns, die wir im Verlauf des Games auch einmal streicheln dürfen. 

Astreiner Survival-Horror

Um Spoiler-frei zu bleiben: Die Tonbänder haben etwas mit den spielbaren Umgebungen in "In Sound Mind" zu tun, je mehr man findet, umso mehr kann man auch spielerisch erforschen. In diesen Welten scheinen sich die Ängste der Patienten manifestiert zu haben – und warten auf Erlösung. Schnell werden Parallelen zu "Those Who Remain" offensichtlich, auch wenn "In Sound Mind" eigene Duftmarken setzen kann. So beeindruckt im Verlauf des Games, wie die Entwickler verschiedene Ängste und Störungen als Spiel-"Monster" interpretieren und ganze Welten daraus erschaffen.

In den Welten selbst kann man als Spieler aber nicht allzu viel tun. Im Kern geht es darum, sich mit einigen Waffen der Schrecken zu erwehren, Items einzusammeln und recht simple Schalter- und Tür-Rätsel zu lösen. Keine Sorge, zum Shooter oder Prügler wird das Game nie, es handelt sich um astreinen Survival-Horror, bei dem Schleichen und Verstecken die Mittel zum Erfolg sind. Immer wieder sorgen auch zahlreiche Fässer mit einer unbekannten Flüssigkeit dafür, dass wir nicht mehr Herr über unsere Sinne sind. Und gleichzeitig scheint uns eine dunkle Präsenz zu folgen, egal wohin wir gehen.

Sound als eines der großen Higlights

Eine große Stärke des Titels ist die bedrückende Soundkulisse. Meist erkennt man die Umgebungen oder vermutet, wohin man gehen muss, wird aber durch unheimliche Geräusche immer vorsichtiger beim Voranschreiten. Grafisch ist "In Sound Mind" zwar detailliert, aber nicht mit Hochglanz-Produktionen vergleichbar. Dennoch hat der düstere und etwas grobe Stil seinen eigenen Charme. Interessant ist auch das Gegner- und Gefahren-Design.

In der oft sehr dunklen Umgebung deuten oftmals Farbeffekte das Auftauchen einer Gefahr an, seien es Feinde oder Fallen. Die Feinde zeigen dabei auch meist keine vorgegebenen Bewegungsmuster, sondern reagieren direkt auf den Spieler, heißt: Sie folgen unseren Geräuschen, suchen die Umgebung ab und bleiben beim Entdecken unserer Spielfigur auch im Verfolgungsmodus. Und auch ganz eigene Mechaniken kommen bei der Flucht vor den monströsen Kreaturen ins Spiel.

Wenn Ängste zu Horror werden

So kann man etwa die Spiegelung einer Glasscherbe nutzen, um Markierungen und Verfolger zu sehen, die sonst verborgen bleiben würden. Auch zeigt die Mechanik an, ob man selbst bereits entdeckt wurde oder das Glück hat, durch eine Gefahrenzone schleichen zu können. Die teils albtraumhaften Erinnerungen lassen währenddessen den Spieler auch ständig darüber grübeln, was genau vorgefallen sein könnte und wie die Szenen zu deuten sein könnten.

Neben einer klassisch wenig verratenden Geschichte und sehr typischen Schalter- und Türen-Rätseln heben die in Horror-Form gegossenen Emotionen und Ängste sowie die Soundkulisse das Spiel vom Grusel-Einheitsbrei ab. Wenn aus der Angst eines Mannes vor der Dunkelheit ein lichtverschlingender, lebendiger Krater und aus der Angst einer entstellten Schönheitskönigin vor fremden Blicken ein hasserfüllter, masketragender Geist wird, sind die klassischen Spiel-Elemente schnell vergessen und man freut sich über einen streckenweise sehr innovativen Horror-Titel.

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