Die Lebensmittelknappheit in Venezuela hat nun auch die katholische Kirche erreicht: Weil es an Messwein und Mehl zur Herstellung von Hostien fehlt, droht der Bischof des westlichen Bundesstaats Merida nun, die Zahl der Gottesdienste deutlich zu reduzieren.
"Wenn wir keinen vernünftigen Gottesdienst mehr halten können, müssen wir die Eucharistiefeiern zusammenstreichen, was sehr bedauerlich wäre", sagte Bischof Baltazar Porras am Montag.
Nach seinen Angaben reichen die Vorräte an Messwein in Merida nur noch für zwei bis drei Monate. Auch der Vorrat an Hostien sei "sehr begrenzt", da den Nonnen das Mehl ausgehe.
Venezuelas Einwohner sind den ständigen Mangel an Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs wie etwa Toilettenpapier gewöhnt: Das Land muss einen Großteil seiner Waren importieren, doch ist es angesichts der drastischen Devisenkontrollen nur schwer möglich, an Dollar zu kommen. Der Messwein war bisher von der Steuer befreit, nun aber strich die sozialistische Regierung die Subventionen. Inzwischen kostet eine Flasche 16 Dollar (über zwölf Euro), so viel wie normaler Wein.
17 Tote durch Schweinegrippe
Außerdem wird das Land von der Schweinegrippe heimgesucht. Medienberichten zufolge sind bereits 17 Menschen an der vom H1N1-Virus verursachten Schweinegrippe gestorben. Mehr als 250 Menschen haben sich demnach an dem Virus infiziert. Der frühere Gesundheitsminister Rafael Orihuela zeigte sich im Fernsehen zuversichtlich, dass das Schlimmste überstanden sei. Die Krankheit hatte sich 2009/2010 zu einer Pandemie ausgeweitet.
Die sozialistische Regierung in Caracas hat die Berichte von Medien und regionalen Behörden bislang nicht bestätigt. Regierungsvertreter verwiesen jedoch darauf, dass Risikogruppen weitgehend immunisiert worden sein. Ihren Angaben zufolge wurden drei Millionen Menschen geimpft.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass während der Pandemie 18.500 Menschen an H1N1 gestorben sind. Eine voriges Jahr in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie geht indes von möglicherweise mehr als 280.000 Toten aus.
APA/red.