In Wien mehr "Ja-Sager" als in türkischen Städten

Den Ausgang des Türkei-Referendums haben Auslands-Türken mit entschieden. Ganz vorne dabei: Türken in Österreich.

Auch Millionen im Ausland lebende Türken haben im Zuge des Verfassungsreferendums in der Türkei ihre Stimmen abgegeben. Dessen knapper Ausgang zeigt nun: Ausgerechnet sie dürften das Zünglein an der Wage ausgemacht haben, das Erdogan zum Sieg verholfen hat.

Kurios: In der Türkei haben rund 48,7 Prozent der Wähler mit "Nein" gestimmt - sie müssen nun trotzdem mit dem "Ja" leben. Aber im Ausland, wo Türken vergleichsweise wenig von den Folgen des Referendums berührt werden, hat eine weitaus deutlichere Mehrheit (rund 59 Prozent) für Erdogans Verfassungsänderungen gestimmt.

Entgegen der Wahlbeteiligung von gut 86 Prozent in der Türkei betrug sie im Ausland nur etwas mehr als 45 Prozent. Besonders stark zeigte sich das Ja-Lager dabei unter den Austro-Türken. Nur in Jordanien (75,9), dem Libanon (93,9) und Belgien (77,2) stimmten prozentual mehr Menschen für Erdogan als in Österreich (73,2 Prozent). Zum Vergleich: In Deutschland waren rund 63 Prozent für ein Ja, in Frankreich rund 65 Prozent.

Wien stärker als türkische Städte

Abgestimmt werden konnte in Österreich in den türkischen Konsulaten in Bregenz, Salzburg und Wien. Von den – nicht bestätigten – 108.561 Wahlberechtigten taten dies insgesamt rund 40,8 Prozent. Der Ja-Anteil betrug dabei in Bregenz 70,2, in Salzburg 73,6 und in Wien 74,6 Prozent.

Besonders das Wiener Ergebnis ist interessant – prozentuell so viele Ja-Stimmen konnte Erdogan selbst in der Türkei nur in Aksaray, Bayburt, Erzurum, Gümühane, Rize und Yozgat erreichen. In den übrigen 75 der 81 türkischen Wahl-Städte lag das prozentuale Ergebnis teils weit unter dem Wiener Ergebnis. In 36 der 81 türkischen Städte lautete das Ergebnis zudem "Nein".

Ein Nein kam von Türken weltweit aus:

Tschechien (88 Prozent Nein-Stimmen)

Spanien (87)

Thailand (87)

Vereinigte Arabische Emirate (87)

Bahrain (86)

USA (83)

Neuseeland (82)

Katar (81)

Großbritannien (79)

Griechenland (77)

Kuwait (77)

China (76)

Oman (76)

Polen (74)

Russland (74)

Ungarn (74)

Finnland (72)

Kanada (72)

Bulgarien (71)

Irak (65)

Japan (64)

Ukraine (64)

Südafrika (63)

Italien (62)

Schweiz (61)

Aserbaidschan (60)

Kasachstan (59)

Algerien (57)

Israel (57)

Singapur (56)

Turkmenistan (56)

Iran (55)

Nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern (55)

Rumänien (55)

Schweden (55)

Saudi Arabien (54)

Ein Ja kam von Türken weltweit aus:

Libanon (94 Prozent Ja-Stimmen)

Belgien (77)

Jordanien (76)

Österreich (73)

Holland (70)

Bosnien und Herzegowina (66)

Sudan (66)

Frankreich (65)

Deutschland (63)

Luxemburg (62)

Dänemark (61)

Ägypten (59)

Mazedonien (58)

Kirgisistan (57)

Kosovo (57)

Norwegen (57)

Usbekistan (54)

Eine Handvoll Länder wie Georgien und Irland wurden in den Ergebnissen nicht ausgewiesen. (rfi)

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