Homosexualität ist in Indien ab heute legal

Gleichgeschlechtlicher Sex soll in Indien nicht mehr bestraft werden. Das hat der Oberste Gerichtshof am Donnerstag entschieden.
Die Richter hätten befunden, eine Kriminalisierung sexueller Handlungen verstoße gegen die indische Verfassung, sagte Rechtsanwalt Pranav Prakash, der am Gericht anwesend war. Mit ihrer Entscheidung strichen die Richter den 146 Jahre alten Paragrafen 377 teilweise aus dem indischen Strafgesetzbuch. Das darin ebenfalls geregelte Verbot von Sex mit Tieren bleibt den Angaben zufolge aber bestehen.

Es drohten bis zu zehn Jahre Haft

Nach dem Passus aus dem Jahr 1862 konnten homosexuelle Akte mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden – auch wenn sie im Privaten und mit Einverständnis unter Erwachsenen stattfanden. Kritiker bemängeln, das Gesetz sei unter anderem von Polizisten genutzt worden, um Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender zu belästigen. Im Jahr 2016 wurden knapp 2.200 Anzeigen unter diesem Tatbestand registriert, sieben Menschen wurden verurteilt.

"Nun kann ich endlich sagen, dass ich frei bin"

Nach dem Urteilsspruch fielen sich Aktivisten vor dem Gericht in die Arme, sie feierten ausgelassen. "Ich bin sprachlos", sagte der Student Rama Vij. "Es hat lange gedauert, aber nun kann ich endlich sagen, dass ich frei bin und die gleichen Rechte habe."

CommentCreated with Sketch.4 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Seit den 1990-er Jahren hatten Aktivisten in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land versucht, Homosexualität auf dem Rechtsweg zu entkriminalisieren. Ein Gericht in Delhi gab 2009 dem Antrag statt. Das Oberste Gericht hob das Urteil 2014 allerdings auf und setzte die Strafandrohungen wieder in Kraft.

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