Eine Online-Petition ruft die Wiener Stadtregierung zur Schaffung eines Drogenkonsumraums auf. So soll die Zahl der Drogentoten gesenkt und die Verbreitung von Infektionskrankheiten verhindert werden.
Eine Online-Petition ruft die Wiener Stadtregierung und Stadträtin für Soziales und Gesundheit, Sonja Wehsely, zur Schaffung eines Drogenkonsumraums auf. So soll die Zahl der Drogentoten gesenkt und die Verbreitung von Infektionskrankheiten verhindert werden. Die Sucht- und Drogenkoordination der Stadt sieht dafür derzeit keinen Bedarf.
Drogensüchtige würden vertrieben und von einem öffentlichen Ort zum nächsten gescheucht werden, so die Meinung der Initiatoren der Petition. Die will das ändern. Die Organisatoren fordern, dass in Wien ein Raum für den Konsum errichtet wird. Dort könnten Süchtige die Drogen auf hygienische Weise zu sich nehmen. Auch die anderen Menschen seien so auf der sicheren Seite: Öffentliche Orte wie Telefonzellen, öffentliche WCs oder Parks blieben verschont.
Schweiz und andere Länder als Vorbild
Die Initative verweist darauf, dass es solche Räume in der Schweiz schon seit 20 Jahren gibt. Auch in Deutschland und den Niederlanden sei diese Strategie verbreitet. Die Anzahl der Drogentoten sei in Städten mit Konsumräumen nachweislich gesunken. Außerdem könne die Verbreitung von Infektionskrankheiten gehemmt werden.
Geht es nach der "Initiative Drogenkonsumraum", sollte noch innerhalb der rot-grünen Regierungsperiode eines der bereits bestehenden Konzepte realisiert werden. Die Organisatoren fordern auch, dass Substitutionsmedikamente intravenös konsumiert werden können, weil diese mittlerweile einen Großteil der konsumierten Substanzen ausmachen.
Stadt Wien sieht keinen Bedarf
Die Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien sieht aktuell keinen Bedarf für einen solchen Raum: Es gebe ohnehin ein großes Netz an Sozialarbeitern, Vereinen, Streetworkern und Ärzten, die sich um die Suchtkranken kümmern würden. Die Kapazitäten für die Betreuung, wie Spritzentausch- und Drogensubstitutionsprogramme, seien enorm ausgeweitet worden. Außerdem bestünde in solchen Suchträumen viel eher die Gefahr, dass Süchtige verunreinigte Substanzen zu sich nehmen würden, heißt es vonseiten der Koordinationsstelle.
Die Stadt Wien bemühe sich darüber hinaus verstärkt um die Integration von Suchtkranken am Arbeit- und Wohnungsmarkt. Man stünde im ständigen Kontakt mit der Szene.