Instagram-Betrüger machen die Runde

Über kopierte Instagram-Profile versuchen Kriminelle, an Handynummern zu gelangen und andere User abzuzocken. Die Polizei rät, Anzeige zu erstatten.
"Hey, gib mir mal deine Handynummer!", wurde A. K.* letzte Woche auf Instagram von einem Bekannten aufgefordert. Schnell wurde sie stutzig: Wozu fragte er nach ihrer Nummer? Nach kurzen Nachforschungen begriff sie, dass es sich um einen Betrüger handeln musste. Das Social-Media-Profil existierte plötzlich zweimal, einmal mit einem zusätzlichen Buchstaben im Namen. Auf beiden Seiten waren fast dieselben Fotos gepostet. A. K. antwortete der Person entsprechend (siehe Bildstrecke).

Die junge Frau ist nicht die einzige Betroffene. Auch R. N.* wurde vor vier Tagen von einem Insta-Freund nach der Nummer gefragt. Im Gegensatz zu A. K. ließ er sich erst einmal darauf ein. Er ging davon aus, dass sein vermeintlicher Bekannter seine Nummer aus geschäftlichen Gründen benötigte. Doch als dieser dann Herzchen schickte und nach einem Bestätigungscode fragte, merkte auch R. N., dass er es mit einem Betrüger zu tun haben musste.

Alte Masche neu auf Instagram

Die Masche ist nicht neu. Früher hatten vor allem Facebook-Nutzer damit zu kämpfen. Nun sind die Betrüger auf Instagram unterwegs: Sie hacken oder kopieren Profile und senden Freundschaftsanfragen an die Kontakte des betroffenen Profils. Durch die erschlichenen Freundschaften wollen sie an möglichst viele Handynummern gelangen. Sie fragen in aller Regel per Privatnachricht danach.

Ziel der Betrüger ist es, über die Nummern Bestellungen zu tätigen, die anschließend per Handyrechnung der Opfer bezahlt werden sollen. Dazu fehlt ihnen nur noch eines: der entsprechende Bezahlcode. Wie im Fall von R. N. fragen die Betrüger unter einem Vorwand danach, meist sprechen sie von einem Wettbewerb.

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User bemerken in der Regel vorerst nichts davon, dass ihr Profil kopiert wurde. A. K. wies ihren Bekannten darauf hin. Er warnte darauf seine Follower per Post und rief dazu auf, das Fake-Profil bei Insta zu melden. Viel tun konnte er nicht. Nach zwei Tagen wurde das Fake-Profil gelöscht.

Ein Instagram-Sprecher nimmt Stellung: "Ungewollte Nachahmung auf Instagram verstößt gegen unsere Nutzungsbedingungen und ist nicht gestattet. Wir investieren laufend in Kontrollen, Meldemöglichkeiten und Technologien, um verdächtige Inhalte und Konten zu erkennen, zu melden und zu blockieren."

Ein Sprecher der Polizei bestätigt, dass das Problem polizeilich bekannt sei. Die Polizei empfiehlt Betroffenen, Anzeige zu erstatten.

Konsumentenschutz kennt das Problem

Beim Konsumentenschutz sagt man: "Wenn man im Internet nach persönlichen Daten gefragt wird, müssen sofort alle Alarmglocken läuten. Bevor irgendetwas übermittelt wird, muss man bei der Person nachfragen, ob sie wirklich die ist, für die sie sich ausgibt." Der Konsumentenschutz habe Kenntnis davon, dass dieselbe Masche schon auf Facebook oder per Mail angewandt wurde.

Sie scheint weiter zu funktionieren. Das Bundeskriminalamt vermerkte 2017 insgesamt 16.804 Fälle von Cyber-Betrug, die Dunkelziffer dürfte sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches höher sein.

"Masche wird sich totlaufen"

Datenschutz-Experte Stefan Thöni geht davon aus, dass die Betrüger sich vermehrt auf Instagram tummeln, weil die Masche auf Facebook oder per Mail nun bekannt ist: "Instagram-User sind im Schnitt jünger und haben entsprechende Erfahrungen noch nicht gemacht. Es ist gut möglich, dass die Cyber-Betrüger es deshalb auf sie abgesehen haben."

Thöni glaubt nicht, dass die Betrugsmasche noch sehr lange erfolgreich bleiben wird. "Irgendwann hat die Gesellschaft gelernt, dass man die Haustüre schließen muss, um sich vor Einbrechern zu schützen. So wird es sich auch bei Internet-Betrug verhalten. Die Leute werden schlauer."

*Name der Redaktion bekannt (jk)

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