Das Mittelmeer steht vor massiven ökologischen Veränderungen: Immer mehr fremde Fischarten wie Feuerfisch, Kugelfisch und Kaninchenfisch dringen in das Ökosystem vor und machen den traditionellen Bewohnern das Leben schwer. Diese invasiven Arten stammen meist aus dem Roten Meer und gelangen über den Suezkanal ins Mittelmeer.
Wissenschaftler führen diese Entwicklung auf steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel zurück. Das Mittelmeer gilt als einer der Hotspots des Klimawandels, mit Prognosen für eine Erwärmung von bis zu sechs Grad bis zum Jahr 2100. Da das Meer ein geschlossenes Becken ist, kann sich die Wärme nicht wie in den Ozeanen verteilen, was die Folgen für die Biodiversität verschärft.
Wie welt.de berichtet, sind laut dem Meeresbiologen Ernesto Azzuro vom italienischen Nationalen Forschungsrat viele der Veränderungen irreversibel: „Das Mittelmeer unserer Vorfahren ist für immer verloren. Viele dieser Veränderungen sind irreversibel.“ Die neuen Arten breiten sich in Richtung Frankreich und Spanien aus, und die Welternährungsorganisation stellt fest, dass ihre Ausbreitung seit den 2000er-Jahren mit steigenden Temperaturen zugenommen hat.
Im östlichen Mittelmeer wurden beispielsweise 2012 erstmals Feuerfische entdeckt. Seither haben sie sich rasant verbreitet und verdrängen heimische Arten wie die Rotbarbe. Fischer auf Zypern und an anderen Mittelmeerküsten berichten von drastisch sinkenden Beständen bei beliebten Speisefischen. Kaninchenfische zerstören zudem durch ihr Fressverhalten den Lebensraum vieler anderer Tiere.
Auch die Muschelbestände sind betroffen: In den flachen Zonen des östlichen Mittelmeers sind 93 Prozent der Weichtiere verschwunden. An der Adriaküste von Venedig bis Bari sind fast alle Muscheln ausgestorben, weil das Wasser zeitweise mehr als 30 Grad erreicht. Viele der neuen Arten sind zudem für Menschen gefährlich – so ist der Kugelfisch giftig, und der Stich des Feuerfischs kann schwere Verletzungen verursachen.
Expertinnen und Experten diskutieren verschiedene Ansätze, um auf die neuen Bedingungen zu reagieren. Einerseits könnten essbare invasive Arten wirtschaftlich genutzt werden, etwa durch gezielten Fang und Vermarktung des Feuerfischs, der in manchen Ländern hohe Preise erzielt. Andererseits gibt es Überlegungen, Fischer für das Fangen ungenießbarer Arten wie des Kugelfischs zu entlohnen, damit diese entfernt werden können.
Langfristig ist laut Forschern entscheidend, die weitere Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern. Dazu sollen internationale Verträge verschärft werden, etwa um das Ballastwasser von Schiffen technisch zu behandeln. Spezielle Farben auf Schiffsrümpfen könnten zudem verhindern, dass Tiere als blinde Passagiere neue Lebensräume besiedeln.
Fischereivorschriften werden derzeit so angepasst, dass sich heimische Bestände wieder erholen können. Auch die Zucht von widerstandsfähigeren Muschelarten ist im Gespräch. Die größte Herausforderung bleibt jedoch, nachhaltige Wege zur Renaturierung und Anpassung an die neuen Gegebenheiten zu finden.