Die Wiener Austria als Scheich-Klub à la Manchester City oder Paris Saint-Germain? So darf man sich die Investorensuche der Veilchen nicht vorstellen. AG-Boss Markus Kraetschmer hat mehrfach öffentlich verkündet, dass 49,9 Prozent der Anteile zu haben sind. Die Entscheidungsmacht wird also nicht ausgelagert.
Genau in diesem Punkt scheint sich die Suche aber aktuell zu spießen. Das lässt Kraetschmer in der "Krone" durchblicken. "Es hat Interessenten gegeben, die gesagt haben, sie interessieren sich, aber Mehrheiten gewohnt sind. Die sind dann abgesprungen."
In Österreich gilt eine Regelung wie in Deutschland, das Investoren mit Mehrheitsanteilen mit der sogenannten "50+1"-Regelung verhindern will. Bundesliga-Boss Christian Ebenbauer zeigte das vor einigen Jahren anhand des Beispiels Horn auf, das nach dem Einstieg von Fußball-Star Keisuke Honda und dessen Partnern große Ambitionen hatte.
Bei "laola1.at" sagte er: "In Deutschland wird das mit dem Begriff 50+1-Regel etwas plastischer dargestellt, aber wir haben das auch. Es gibt einen großen Unterschied zu Deutschland und auch der Schweiz: In Österreich ist es so, dass Kapitalgesellschaften gar keine Lizenznehmer sein dürfen, das ist in Deutschland möglich. Sprich: Bei uns kann nur der gemeinnützige Fußballverein Lizenznehmer sein. Also wäre es beispielsweise nicht möglich, dass Honda Estilo Co. Ltd. Lizenznehmer in der Bundesliga wäre. Der gemeinnützige Verein muss Lizenznehmer sein und er muss auch mehrheitlicher Stimmeninhaber innerhalb des Vereins sein."
Die Tradition und die Infrastruktur würden den Verein zu einem attraktiven Partner machen. Die Vorstellungen der Austria scheint aber mit jenen der bisherigen Interessenten auseinanderzuklaffen. Die wünschen sich mehr Handlungsspielraum, wie man es im Profifußball beispielsweise aus England gewohnt ist. Dort ist mittlerweile eine Vielzahl von Klubs in Händen reicher Investoren, die gleichzeitig den Weg vorgeben dürfen - auch sportlich.
Weil die Veilchen das nicht bieten wollen, auch nicht dürfen, könnte sich die Suche weiter verzögern. Denn, wie Kraetschmer ebenfalls betont, seien derzeit wegen der aktuellen Pandemie-Krise und ihren finanziellen Auswirkungen viele Klubs auf Investorensuche. Die Austria hat Konkurrenz.
Warum ein Investor so wichtig ist? Der Klub ist in finanziellen Nöten. Schon vor Corona war die Lage ernst. Die Mehrkosten rund um den Stadionneubau, ausbleibende Einnahmen im sogenannten S.T.A.R.-Projekt, eine budgetierte aber nicht erhaltene Millionenzahlung eines Sponsors und das Ausbleiben von Einnahmen in Europacup machen den Wienern zu schaffen. Die Pandemie verschärfte die Krise weiter. Durch den Verkauf von 49,9 Prozent der Anteile sollen rund zehn Millionen Euro lukriert werden.