Irak: Gotteskrieger kreisen Bagdad ein

Bild: Reuters

Die Lage im Irak wird immer dramatischer. Die Islamisten versuchen, die Hauptstadt Bagdad einzukreisen. In ihrem Herrschaftsbereich richten sie Gegner hin. Der Iran hat mittlerweile Eliteeinheiten zur Unterstützung geschickt. Die USA wollen keine Truppen senden.

. Die Islamisten versuchen, die Hauptstadt Bagdad einzukreisen. In ihrem Herrschaftsbereich richten sie Gegner hin. Der Iran hat mittlerweile Eliteeinheiten zur Unterstützung geschickt. Die USA wollen keine Truppen senden.

Aus mindestens drei Richtungen rücken die Jihadisten der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL/ISIS) auf Bagdad vor. In einem Umkreis von weniger als hundert Kilometern nähern sie sich der Hauptstadt aus den Provinzen Al-Anbar im Westen, Salaheddine im Norden und Diyala im Osten.

Bürger und Sicherheitskräfte bereiten sich auf Angriffe vor. Polizei und Soldaten patrouillieren durch die Straßen, Kontrollposten werden aufgebaut. Die Sicherheitskräfte sind in maximaler Alarmbereitschaft.

Der irakische Großayatollah Ali al-Sistani rief seine schiitischen Glaubensbrüder zum Widerstand auf. Die Schiiten sollten vor allem die Heiligtümer in Najaf und Kerbala schützen, ließ er verkünden.

ISIL hat Todesliste

ISIL selbst verbreitet im Internet Fotos von hingerichteten Soldaten und Polizisten. "ISIL hat Listen mit Polizisten, Soldaten und Politikern", zitierte die kurdische Nachrichten-Plattform "Rudaw" einen Flüchtling aus Mossul. "Wenn du an einem Kontrollpunkt erwischt wirst und auf der Liste stehst, töten sie dich."

Kurden-Armee dringt vor

Im Ostirak bereiteten sich kurdische Truppen auf eine Gegenoffensive vor. Die Peshmerga-Soldaten sollen ihr Einflussgebiet über Kirkuk hinaus ausgeweitet haben. Die kurdische Armee ist rund 50 Kilometer weiter gen Süden vorgedrungen. Am Donnerstag hatte sich die irakische Armee aus der Öl-Stadt Kirkuk zurückgezogen, kurdische Truppen übernahmen die Kontrolle.

USA schicken keine Truppen

Trotzdem schloss US-Präsident Barack Obama am Freitag einen militärischen Einsatz aus. Der Irak hatte . Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die irakischen Sicherheitskräfte "unfähig" seien, eine "Reihe von Städten zu verteidigen". Washington werde Bagdad deshalb zusätzlich unterstützen, aber keine Truppen senden. Es würden unterschiedliche Optionen geprüft. Am Donnerstag hatte Obama auch den Einsatz von bewaffneten Drohnen nicht ausgeschlossen.

"Nicht auf die USA verlassen"

"Die Vereinigten Staaten werden ihren Teil beitragen, aber verstehen Sie, dass es am Irak liegt, seine Probleme als souveräne Nation selbst zu lösen", so Obama. "Wir können es nicht für sie machen." Und der US-Präsident weiter: "Es kann im Irak keinen Frieden geben, wenn sich örtliche Politiker stets auf amerikanische Hilfe verlassen."

Iran schickt Elitesoldaten

Davor hatte der iranische Präsident Hassan Rohani dem schiitisch regierten Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die sunnitische Terrororganisation zugesichert. Teheran schickt Truppen, mindestens drei Bataillone der Al-Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden.

Türkei bleibt zurückhaltend

Die Türkei, ebenfalls ein Nachbarland, will . Türkische Staatsbürger wurden allerdings aufgefordert, die umkämpften Regionen des Landes zu verlassen.

Die Vereinten Nationen schlugen Alarm wegen willkürlicher Hinrichtungen durch ISIL. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay berichtete, die Kämpfer hätten zusammen mit befreiten Gefangenen Zivilisten erschossen. Nach UN-Angaben wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet.

Ziel ist sunnitischer Gottesstaat

Die im Syrien-Krieg stark gewordene Miliz ISIL hatte zu Beginn der Woche die nördliche Millionenstadt Mossul eingenommen und ist seitdem auf dem Vormarsch Richtung Bagdad. Ziel ist ein sunnitischer Gottesstaat zwischen Mittelmeer und Persischem Golf.

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