Die Anschläge der Hamas sind die schwersten Angriffe in der Geschichte Israels. Doch plante und handelte die palästinensische Terrororganisation dabei alleine? Nicht wenige sehen den Iran oder Russland als mögliche Drahtzieher hinter den beispiellosen Attacken. Sicherheitsexperte Roland Popp von der Militärakademie MILAK an der ETH Zürich hält dies indes für unwahrscheinlich. "Das sind Schnellschüsse, vor denen man sich hüten sollte", so der Militärhistoriker im Gespräch mit "20 Minuten".
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Ja, derlei habe ich in den sozialen Medien auch gelesen: Dass der Anschlag der Hamas als Einstieg in den großen regionalen Konflikt gesehen wird, in den am Ende sogar noch die USA oder Russland hineingezogen werden könnten. Doch das erscheint mir sehr unwahrscheinlich.
Es gab immer wieder Ereignisse, die fast zum großen Konflikt zwischen den USA und dem Iran geführt haben. Etwa die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani und danach der iranische Beschuss von US-Stützpunkten im Irak. Wären da US-Soldaten ums Leben gekommen, wäre der große Krieg wohl unausweichlich gewesen. Wir hatten damals sehr viel Glück. Dennoch: Die jüngsten Ereignisse spielen in Palästina, wo der Iran eine untergeordnete Rolle spielt.
Der Iran spielt bei der Unterstützung der Hamas durchaus eine Rolle – so wie auch andere Mächte in der Region, insbesondere Katar und die Türkei, die historisch zu den Hauptgeldgebern der Hamas gehören. Doch man darf nicht den Fehler machen zu glauben, Iran ziehe im Hintergrund die Strippen und die Hamas sei quasi eine Marionette. Das geht an den Realitäten weit vorbei. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Operation maßgeblich von der Hamas geplant und nicht mit Verbündeten und Partnern im Ausland koordiniert wurde.
Ganz einfach: aus Gründen der operativen Sicherheit. Die Anschlagspläne mussten absolut geheim gehalten werden, zumal das Überraschungselement entscheidend war für den "Erfolg" der Hamas. Die Hamas muss das über einen sehr langen Zeitraum geplant haben, darauf deutet vieles hin – vor allem die enge Abstimmung der militärischen Operationen mit psychologischer Kriegführung und Informationskrieg.
Nein, das kann ich mir absolut nicht vorstellen. Was würde das Russland nützen? Die israelische Politik ist im Ukraine-Konflikt weit weniger anti-russisch eingestellt als etwa die europäische. Derzeit wird Russland gerne für alle Konflikte auf der Welt verantwortlich gemacht, vom Kaukasus bis nach Ostasien, weil Moskau den Westen möglichst überall herausfordern wolle. Das erscheint mir wie ein Zerrbild der absurden Vorstellungen aus der Frühphase des Kalten Krieges, wo man hinter jedem Brandherd den internationalen Kommunismus vermutete. Das sind Schnellschüsse, vor denen man sich hüten sollte.