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ISIS-Kämpfer riefen Kalifat auch auf Deutsch aus

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:29

Einen perfekten Propaganda-Coup lieferten die Jihadisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) ab. In einer Audiobotschaft riefen die Extremisten pünktlich zum Beginn des Ramadan das Kalifat, den Gottesstaat aller Muslime, im Irak aus. Die Audiobotschaft wurde im Internet auch auf Deutsch verbreitet. Islamische Gelehrte lehnen die Gruppe allerdings als unislamisch ab. US-Präsident Barack Obama warmt dennoch vor "Jihad-Touristen".

ab. In einer Audiobotschaft riefen die Extremisten pünktlich zum Beginn des Ramadan das Kalifat, den Gottesstaat aller Muslime, im Irak aus. Die Audiobotschaft wurde im Internet auch auf Deutsch verbreitet. Islamische Gelehrte lehnen die Gruppe allerdings als unislamisch ab. US-Präsident Barack Obama warmt dennoch vor "Jihad-Touristen".

Die 34-minütige Erklärung des ISIS-Sprechers Abu Mohammed al-Adnani besticht durch eine klare Qualität der Aufnahme. Im melodiösen Tonfall eine Koranrezitators verkündet er, wovon Jihadisten seit langem träumen: von der Errichtung eines "Islamischen Kalifats". Praktisch zeitgleich verbreitete ISIS im Internet Übersetzungen auf Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch. Die Botschaft hinter der Botschaft ist allzu deutlich: ISIS richtet sich nicht nur an Gläubige in Syrien und im Irak, sondern an Muslime in aller Welt.

Allein die deutsche Übersetzung der Audiobotschaft ist 39 Seiten lang. Sogar Fußnoten und eine Anleitung für die Umschrift des arabischen Alphabets ins Deutsche haben die Extremisten angefügt. Der Text ist voller theologischer Ausführungen und .

Kalifat und keiner geht hin

Islamische Gelehrte aus aller Welt lehnen die Islamisten und ihren Gottessstaat allerdings ab. In ihren Botschaften verkünden sie, kein Muslim sei verpflichtet, dem selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi seine Loyalität auszusprechen. ISIS wird von vielen Gelehrten als unislamisch bezeichnet, weil sie den Tod von anderen Muslimen in Kauf nimmt.

So nannte der marokkanische Gelehrte Umar al-Haddushi laut arabischen Medien den Kommandanten der radikal-sunnitischen Terrorgruppe einen "vom Glauben Abgefallenen". Der ägyptische islamistische Prediger Hani al-Zibai verbreitete auf Twitter eine Warnung an die ISIS-Kämpfer, Gott sei nur mit den Aufrechten. Al-Zibai wünschte der irakischen Regierung, "trotz meiner Kritik an ihr", Erfolg im Kampf um die von den ISIS-Kämpfern eingenommene Stadt Mossul.

USA befürchten europäische "Jihad-Touristen"

US-Präsident Obama warnte unterdessen vor "Jihad-Touristen". Europäer, die zum Kämpfen in die Region reisten, könnten auch eine Gefahr für die Sicherheit Amerikas darstellen. Die Jihadisten sammelten in Syrien und nun im Irak Kampferfahrung, sagte er am Sonntag im Fernsehsender ABC-News. "Dann kommen sie zurück. Sie haben europäische Pässe. Sie brauchen kein Visum, um in die Vereinigten Staaten einzureisen."

Es sei daher wichtig, dass die USA ihre Geheimdienst- und Überwachungsaktivität in der Region ausbauten. Spezialkommandos spielten eine große Rolle. "Und es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten", sagte Obama.

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